Juni 2009

Frauen beim Tanken

(via netzwerkrecherche)

Wahlempfehlung(en) zum Sonntag

Es ist ja eigentlich traurig, aber ausser DSDS und Germany’s next Topmodel scheint nichts so viel Traffic und Backlinks zu bringen, wie wenn man über Parteipolitik (oder, wie Daniel Fallenstein beim Antibürokratieteam treffend bemerkte: SCHAFSCHEISSE) bloggt.

Aber gut, des Marktes Wille geschehe, hier also meine Empfehlungen für die Europawahl, in guter libertärer Tradition gibt es drei Varianten zur Auswahl, damit am Ende jeder das tun kann, was ich für richtig halte.

Variante 1: Das Scherbengericht
Diese Wahlalternative taugt für alle, die eine klare Linie bevorzugen und sich später nicht nachsagen lassen wollen, für irgendeinen Unfug mitverantwortlich zu sein (ich kenne Leute, die bis heute bereuen, anno ‘98 rot-grün gewählt zu haben, weil sie glaubten, alles ausser Kohl wäre besser. Auch 11 Jahre später kein schönes Gefühl). Wer das Scherbengericht wählt, ist sicher vor solchen Risiken und anderweitigen unerwünschten Konsequenzen, und geht vom Wahllokal mit dem guten Gefühl nach Hause, genau das gesagt zu haben was er wirklich meint. Die Sache hat nur einen Haken: Sie erfordert -anders als das Wählen anderer Parteien- ein Minimum an Vorbereitung sowie eine kleine Investition.

Und so funktioniert’s:
Spätestens am Samstag vor der Wahl besorgt man sich einen dicken, fetten Edding (mindestens 6-8 mm), also genau die Sorte, mit denen das dort ansässige bildungsferne Prekariat normalerweise Berliner Busse und U-Bahnen beschmiert. Damit schreibt man quer über den Stimmzettel

ALLE AUFHÄNGEN

und, um nachfolgende Wählerinnen und Wähler auf die Existenz dieser Wahlalternative hinzuweisen, schreibt man das gleich auch noch ein paar Mal auf den Tisch der Wahlkabine. Keine Sorge, da die geheime Wahl grundgesetzlich geschützt ist besteht keine Gefahr, dass einem dabei jemand zuschaut. Wer möchte, macht ein Foto davon und schickt es mir per Mail – jede Einsendung wird von mir mit einem handsignierten IM Erika T-Shirt belohnt!


Die Vorteile
liegen auf der Hand. Eine klare Ansage nach Berlin und Brüssel, Mißverständnisse und nachträgliche Uminterpretationen sind praktisch ausgeschlossen.

Der Nachteil
Nur eine Handvoll Leute bekommen davon etwas mit, es sei denn ihr macht ein Foto davon.

Variante 2: APPD
Wie ein schlauer Leser bereits anmerkte, gibt es keinen vernünftigen Grund sich von den Staatsbütteln vorschreiben zu lassen, wen man wählen darf und wen nicht. Wer also die Balkanisierung Deutschlands vorantreiben will und Arbeit zwar scheisse, aber nicht so scheisse findet dass er die Arbeit, ein zusätzliches Feld für die APPD einzufügen, ablehnt, der tut eben dies und gibt seine Stimme den Pogoanarchisten.

Und so funktioniert’s
Mit dem vorhandenen Kuli malt man an geeigneter Stelle ein Ankreuzfeld für die APPD und versucht, nicht zu vergessen dieses anschließend, des Effekts wegen am besten in einer anderen Farbe, anzukreuzen.

Die Vorteile
Balkanisierung, Gewalterlebnisparks und Freibier.

Die Nachteile
Nur eine Handvoll Leute bekommt etwas davon mit, und bei denen besteht eine 99% Chance dass sie nicht mal wissen wer oder was die APPD ist.

Variante 3: PIRATEN
Diese Variante taugt vor allem für den raffinierten Taktiker, der genau verstanden hat, dass Wahlen keinesfalls dafür gedacht sind, den Wähler entscheiden zu lassen, was passieren soll – und der trotzdem mit den verfügbaren Mitteln möglichst viel erreichen will. Die totale Überregulierung und Verstaatlichung praktisch aller Lebensbereiche und die Tatsache, dass auf dem Wahlzettel keine Partei steht, die das alles grundlegend ändern will, bringen den Taktiker zu der Erkenntnis, dass der einzige Bereich des Lebens, in dem staatliche Regulierung und Verbieteritis noch nicht so richtig Fuss gefasst hat, nämlich das Internet, unbedingt gehegt und gepflegt und um jeden Preis vor den Bürokraken in Berlin und Brüssel geschützt werden soll. Und wenn es auch keine Partei gibt, die allgemein für die Freiheit eintritt, so gibt es mit den PIRATEN doch immerhin eine Partei, die kompromißlos und über jeden Zweifel erhaben für die Freiheit im Internet eintritt, und aus deren Umfeld (die Piratenpartei ist nur der politische Arm einer breiteren und weitestgehend unorganisierten Bürgerrechtsbewegung im Internet, zu denen auch der AK Zensur und der AK Vorrat zählen) in letzter Zeit einiger Sand in das Getriebe der Zensurverbietmaschine geworfen wurde. Natürlich weiss auch der Taktiker, dass bei den Piraten auch nicht alles Gold ist, was glänzt, und dass dort neben einigen freiheitlichen Denkern auch ein paar sozialistische Bevormunder angeheuert haben. Das ist aber irrelevant, denn: Da die Piraten sowieso kaum 5 Prozent, geschweige denn eine Mehrheit bekommen werden, kommt es auf deren Stimmverhalten gar nicht an. Worauf es dagegen ankommt, ist die Wahlkampfkostenerstattung, für die nur durchaus realistische 0.5 Prozent der Stimmen erforderlich sind und die dazu beitragen würde, den Widerstand gegen Zensur und Überwachung zu verstetigen und auf eine finanziell solide Basis zu stellen. Ohne Mandat, aber mit der Steuergeldern (die sowieso ausgegeben werden, nur würden sie ansonsten Leute bekommen, bei denen man sich das erst recht nicht wünscht) könnten die Piraten genau das sein, was sie am besten sein können: Ein Stachel im Arsch der zensur- und überwachungsgeilen Politverbrecher.

Und so funktioniert’s:
Mit dem bereitliegenden Kuli am Sonntag ein Kreuz bei den PIRATEN (Liste 29, am unteren Ende des Stimmzettels) machen. Staatsfeindliche Parolen nach Wunsch in der Wahlkabine, aber nicht auf dem Stimmzettel, verteilen.

Die Vorteile
Ein Stachel im Arsch der Politverbrecher. Bitte kräftig drücken!

Der Nachteil
Man muss die eigene Meinung darüber, was mit den Politverbrechern am besten zu machen wäre, anderswo verewigen. Zum Beispiel hier im Kommentarbereich.