Ist Carlos A. Gebauer der deutsche Ron Paul?

Carlos A. Gebauer

Dafür spricht auf jeden Fall, dass beide was mit Medizin zu tun haben…
Aber Spass beiseite, vor allem der Schluss von diesem Artikel auf ef-online spricht mir echt aus der Seele:

Aber ich weiß auch, dass hunderte Millionen von Europäern nicht im Mindesten interessiert sind, sich von einer vergleichsweise winzigen politischen Gruppe vorschreiben zu lassen: wieviel Salz ihr Brot enthält und wieviel Fett ihr Quark; wann sie ihre Mülltonne an die Straße rollen dürfen; ob sie im Licht einer Glühbirne sitzen können; wie laut ihr Orchester Richard Wagner, Anton Bruckner oder Gustav Mahler spielt; wie dick eine Schaufensterpuppe sein darf und ob Werbung eine Frau in der Küche zeigen kann.

Und es wird noch besser:

Kurz: Ich möchte in einem Land leben, in dem „Du darfst!“ nicht nur auf Margarineschachteln steht, sondern in dem „Du darfst“ das generelle Prinzip ist, von dem jeder Gesetzgeber erstens nur im strengsten Einvernehmen mit seinem Volk selbst und zweitens unter unausweichlichen Umständen abgehen darf.

Davon sind wir zwar zur Zeit meilenweit entfernt, aber es ist immerhin schon mal ein grosser Fortschritt, wenn einer das erkannt hat und konkrete Schritte unternimmt, um daran etwas zu ändern. Und dass Gebauer (genauso wie Ron Paul) seinen zukünftigen politischen Kollegen einiges an Erkenntnisvorsprung voraus haben muss, ahnt jeder, der sein Buch “Warum wir alle reich sein könnten” gelesen hat. Darin outet sich der Mann als lupenreiner Libertärer:

Wer also eine Politik – insbesondere eine Sozialpolitik – machen möchte, die auf Sicherheit und Nachhaltigkeit angelegt ist, der muß sämtliche staatliche Intervention in zwischenmenschliche Aktivitäten auf das absolut geringstmögliche Maß reduzieren. Zwangseingriffe in freiwillige Kooperationen unter Menschen sind prinzipiell illegitim, weil sie keinen der Beteiligten „reicher“ machen können, als er es ohne diesen Eingriff wäre.

Und es wird noch interessanter:

Ein wirklich souveräner und demokratischer Bürger scheint gar nicht anders denkbar, als – mangels greifbarer geldpolitischer Alternative – unter der Geltung eines behutsam, aber zügig wieder eingeführten Goldstandards. Ohne diesen bleibt er eine bloße Marionette obrigkeitlicher Entscheidungen. Sein Eigentum –nicht nur am eigenen Geld, sondern an allen Vermögenswerten– muß gegen staatliche Eingriffe immun sein, insbesondere auch über Generationengrenzen hinaus

Eigentum als Grundlage der Freiheit? Goldstandard? Das kennen wir auch vom Doktor aus Texas. Was nun wahrlich nicht als Vorwurf zu verstehen ist.

Das Schlußwort verdient, in voller Länge zitiert zu werden:

Eine andere Organisation unseres Lebens ist ohne weiteres möglich. Wir können unsere steuerliche Extremabschöpfung beenden. Wir können Eigentümer unserer sozialen Sicherungssysteme werden. Wir können für unser Wirtschaften auf ein Geld zurückgreifen, das wertstabil ist und nicht nur aus politischen Papierversprechen beruht. Wir können uns wieder freie Verträge mit allen denjenigen erlauben, mit denen wir wirklich etwas zu tun haben wollen. Wir können beschließen, unser jeweiliges Eigentum wieder wechselseitig zu respektieren. Wir können uns einig sein, daß es einer Behörde nicht erlaubt ist, in unsere privatesten Lebensverhältnisse einzudringen. Wir können bewirken, daß die Entwicklung produktiver Fähigkeiten wieder einträglicher ist, als die von politischen Talenten. Wir können vereinbaren, daß unsere Körper wieder uns ganz alleine gehören. Und wir können durch alles das diejenigen Mittel beschaffen, die wir brauchen, um im Fall der Not unserer Familie und unseren Freunden helfend beizustehen. Wir könnten alle reich sein. Es ist nur unsere Politik, die das verhindert.

Wer würde ihm da widersprechen wollen?

Auf den ersten Blick nicht ganz einleuchtend ist allerdings, warum Gebauer jetzt für Libertas zur Europawahl antritt, und das mit einem Programm, das zwar durchaus vernünftig klingt, aber leider auch zu vielen interessanten Themen (um nicht zu sagen zu praktisch allen ausser einer EU-Reform) nichts aussagt. Strategisch betrachtet könnte sich dieser vermeintliche Schwachpunkt aber als äußerst genialer Coup erweisen, und zwar dann, wenn man die Europawahl als Testlauf für die Bundestagswahl im September betrachtet – ein Erfolg bei der Europawahl wäre das ideale Fundament für eine Deutschlandkampagne, und selbst bei einem Scheitern hätte man immer noch eine Organisation aufgebaut, die in einem Bundestagswahlkampf von einigem Nutzen sein könnte. Man darf also gespannt sein, was sich da noch so ergeben wird.

Übrigens: die Jungs & Mädels von Libertas brauchen wohl noch ein paar Unterschriften für die Wahl – ich habe meine schon abgegeben…

6 Kommentare »
  1. Meine Unterschrift hat er sicher.
    Bin gespannt über die Positionen der Partei bei nationalen Themenbereichen.
    Gebauers persönliche Position über die “Gesunheitsreform” (ich glaube, daß Video ist von 2006) konnte ich hier schon mal anhören:

    http://video.google.com/videoplay?docid=8452105907165075882

    Klingt alles sehr vernünftig.

    // fufurios // 2009-03-19 14:06 //
  2. leider ist das alles ein bischen kurz gedacht, vom herrn Gebauer. es setzt nämlich voraus, dass eine gesellschaft aus individuen besteht, die gleich stark sind. sind sie aber nicht. ein staat ist zuerst einmal ein gebilde, dass die freiheit auch des schwächeren schützt. das ist bei absolut freier ungehemmter vertragsfreiheit schon nicht gegeben. im übrigen: bei völliger handlungsfreiheit des einzelnen brauchen wir zumindest irgendjemand, der dann ejden tag mal vorbeischauen kommt, ob irgendjemand völlig frei von den zwängen eines müllabfuhrkalenders seine tonne vielleicht rausgestellt hat. kan mir mal jemand erklären, wie das funktionieren soll?? ein staat ist ein gemeinwesen, und das individuum braucht die gemeinschaft zum überleben, und diese gemeinschaft muss organisiert sein.

    je länger ich nachdenke, umso dümmer finde ich die ideen des herrn Gebauer … und das oprogramm dieser seltsam-partei ist vorsichtig ausgedrückt naiv-schwammig-diffus … also geschwätz.

    sorry, tut mir leid, aber für solche halbgaren kindergarten-libertäre oder liberale würde ich mich nicht in die bresche werfen.

    // WhiteAxxxe // 2009-03-19 23:20 //
  3. @WhiteAxxxe: Ich glaube eher, dass du zu kurz denkst, und nicht der Herr Gebauer. Warum soll ausgerechnet der Staat, also das asozialste Gebilde, das die Menschheit je hervorgebracht hat, die Freiheit des Schwächeren schützen? Davon hat er doch gar nichts, im Gegenteil, das kostet bloss und bringt den Politikern keinen Vorteil. Wogegen das Paktieren mit den Starken, um die Schwachen gemeinsam auszubeuten, einem Politiker handfesten Nutzen bringt, in Form von Bestechungsgeldern, Aufsichtsratsposten und obendrein auch noch Wählerstimmen von nützlichen Idioten, die das ganze nicht durchschauen und zu ihrer eigenen Ausbeutung noch “Hurra” brüllen.

    Die einzigen “Schwachen” die der Staat schützt, sind die Politiker, die sind immerhin schwach im Geiste (hallo, Herr Gabriel).

    sorry, tut mir leid, aber für solche halbgaren kindergarten-libertäre oder liberale würde ich mich nicht in die bresche werfen.

    Wenn für dich Libertarismus was mit Kindergarten zu tun hat bist du bei mir gründlich falsch, Staazi-Unfug ist hier unerwünscht.

    // drchaos // 2009-03-20 13:15 //
  4. meine stimme unterstützung hat er. die meiner familie auch (bin der stärkere. deswegen ;) )

    das buch welches du anspricht hat es, trotz des saublöden titels, in sich.

    nur schade, dass linke autisten sind. wären sie es nicht, würden sie nicht so bedeppert aus der wäsche schauen, sobald sie gegenargumente à la gebauer zu hören bekommen.

    // mensch // 2009-03-26 13:50 //
  5. [...] getan: Die einst mit dem (dort mittlerweile wohl nicht mehr aktiven) Hoffnungsträger Carlos A. Gebauer gestartete Partei veröffentlichte nun auf ef-online einen Wahlaufruf zugunsten der AUF-Partei. [...]

    // Libertas und AUF, oder: Der verspätete Aprilscherz // 2009-05-12 16:22 //
  6. Eine Golddeckung der Währung ist Unsinn. Gold ist nichts wert — der Preis ist manipuliert. Alleine Strom ist wesentlich wertvoller. Aufwachen, Leute!

    Wie die ‘Hochfinanz’ die ‘Hyperinflation 1923′ auslöste. http://wahrheitscorner.blogspot.com/2009/03/wie-die-hochfinanz-die-hyperinflation.html

    // Max Moritz Sievers // 2009-07-10 19:06 //

Kommentar schreiben

XHTML: Folgende Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>