März 2009
High-Tech statt nervigen Weibern
“Fun, comfortable, stylish and easy to use” :-)
(via Outside of the Asylum)
Zurück ins finstere Mittelalter
Quelle: asifthebes/sxc.huWie viele Leute braucht man, um bei 300 Millionen Menschen alle Glühbirnen zu wechseln? “Wenn man die richtigen Stellen schmiert, erstaunlich wenige” dürfte die ehrliche Antwort sein, die man aus den Konzernzentralen von Philips und Osram aber wohl kaum zu hören bekommen wird. Dort freut man sich lieber über kräftig sprudelnde Gewinne mit der unnützen und hochgiftigen Tranfunzel 2.0, von Liebhabern auch fälschlicherweise als “Energiesparlampe” bezeichnet. In Wirklichkeit sparen die teuren Teile nämlich weder Energie noch gar Geld, und von einer Lampe erwartet man gemeinhin auch mehr als das fahle Dämmerlicht, bei dem man höchstens noch gerade so den Titel der Bild-Zeitung entziffern kann. Aber vielleicht ist letzteres ja ein gewollter Nebeneffekt.
Wie auch immer, jedenfalls marschiert ganz Europa (samt den Schweizern, die aus lauter Doofheit freiwillig mitmachen) dank EU-Bürokratenwahn mit Riesenschritten zurück ins dunkle Mittelalter, von wo aus es nun gar nicht mehr so weit ist bis in die nasskalten Höhlen der Steinzeit, deren Wände allerdings -wir leben ja immer noch in modernen Zeiten- nicht mehr aus Felsen, sondern aus wärmeschutzverordnungskompatiblen Styroporplatten bestehen. Dem Schimmel ist’s einerlei, Hauptsache das Klima stimmt, der lebt und gedeiht und schaut von oben rechts aus der Zimmerecke dem stolzen Besitzer des DIN-gerechten Passivfertighäuschens beim Abzahlen seiner Subprime-Kredite genauso gleichgültig zu wie einst dem daheimgebliebenen Homo-erectus-Weibchen beim Hölzchenreiben, was aufgrund von Rauchverbot und Antidiskriminierungsgesetz heutzutage natürlich sowieso nicht mehr zulässig wäre.
Immerhin bleibt zu hoffen, dass wenigstens in einigen abgelegenen Alpentälern zivilisatorische Reste noch etwas länger erhalten bleiben. Der Staatssender ORF meldet aus Tirol nämlich Hamsterkäufe und stellenweise leere Lager. Das erinnert an die langen Schlangen vor den Geschäften in der DDR, wenn es ausnahmsweise mal Bananen gab. Ganz anders die Deutschen, deren erklärtes Ziel es ist, möglichst als erste in der dunklen Höhle zu sitzen, während die anderen noch in hell erleuchteten und wohlig warmen Häusern darauf warten, dass die globale Erwärmung endlich eintrifft. Manch einer tauscht sogar freiwillig funktionierende Glühlampen gegen Quecksilberschrott aus. Nicht nur die geistige Eintrübung ist eben immer auch zu einem guten Teil selbst verschuldet.
Ist Carlos A. Gebauer der deutsche Ron Paul?

Dafür spricht auf jeden Fall, dass beide was mit Medizin zu tun haben…
Aber Spass beiseite, vor allem der Schluss von diesem Artikel auf ef-online spricht mir echt aus der Seele:
Aber ich weiß auch, dass hunderte Millionen von Europäern nicht im Mindesten interessiert sind, sich von einer vergleichsweise winzigen politischen Gruppe vorschreiben zu lassen: wieviel Salz ihr Brot enthält und wieviel Fett ihr Quark; wann sie ihre Mülltonne an die Straße rollen dürfen; ob sie im Licht einer Glühbirne sitzen können; wie laut ihr Orchester Richard Wagner, Anton Bruckner oder Gustav Mahler spielt; wie dick eine Schaufensterpuppe sein darf und ob Werbung eine Frau in der Küche zeigen kann.
Und es wird noch besser:
Kurz: Ich möchte in einem Land leben, in dem „Du darfst!“ nicht nur auf Margarineschachteln steht, sondern in dem „Du darfst“ das generelle Prinzip ist, von dem jeder Gesetzgeber erstens nur im strengsten Einvernehmen mit seinem Volk selbst und zweitens unter unausweichlichen Umständen abgehen darf.
Davon sind wir zwar zur Zeit meilenweit entfernt, aber es ist immerhin schon mal ein grosser Fortschritt, wenn einer das erkannt hat und konkrete Schritte unternimmt, um daran etwas zu ändern. Und dass Gebauer (genauso wie Ron Paul) seinen zukünftigen politischen Kollegen einiges an Erkenntnisvorsprung voraus haben muss, ahnt jeder, der sein Buch “Warum wir alle reich sein könnten” gelesen hat. Darin outet sich der Mann als lupenreiner Libertärer:
Wer also eine Politik – insbesondere eine Sozialpolitik – machen möchte, die auf Sicherheit und Nachhaltigkeit angelegt ist, der muß sämtliche staatliche Intervention in zwischenmenschliche Aktivitäten auf das absolut geringstmögliche Maß reduzieren. Zwangseingriffe in freiwillige Kooperationen unter Menschen sind prinzipiell illegitim, weil sie keinen der Beteiligten „reicher“ machen können, als er es ohne diesen Eingriff wäre.
Und es wird noch interessanter:
Ein wirklich souveräner und demokratischer Bürger scheint gar nicht anders denkbar, als – mangels greifbarer geldpolitischer Alternative – unter der Geltung eines behutsam, aber zügig wieder eingeführten Goldstandards. Ohne diesen bleibt er eine bloße Marionette obrigkeitlicher Entscheidungen. Sein Eigentum –nicht nur am eigenen Geld, sondern an allen Vermögenswerten– muß gegen staatliche Eingriffe immun sein, insbesondere auch über Generationengrenzen hinaus
Eigentum als Grundlage der Freiheit? Goldstandard? Das kennen wir auch vom Doktor aus Texas. Was nun wahrlich nicht als Vorwurf zu verstehen ist.
Das Schlußwort verdient, in voller Länge zitiert zu werden:
Eine andere Organisation unseres Lebens ist ohne weiteres möglich. Wir können unsere steuerliche Extremabschöpfung beenden. Wir können Eigentümer unserer sozialen Sicherungssysteme werden. Wir können für unser Wirtschaften auf ein Geld zurückgreifen, das wertstabil ist und nicht nur aus politischen Papierversprechen beruht. Wir können uns wieder freie Verträge mit allen denjenigen erlauben, mit denen wir wirklich etwas zu tun haben wollen. Wir können beschließen, unser jeweiliges Eigentum wieder wechselseitig zu respektieren. Wir können uns einig sein, daß es einer Behörde nicht erlaubt ist, in unsere privatesten Lebensverhältnisse einzudringen. Wir können bewirken, daß die Entwicklung produktiver Fähigkeiten wieder einträglicher ist, als die von politischen Talenten. Wir können vereinbaren, daß unsere Körper wieder uns ganz alleine gehören. Und wir können durch alles das diejenigen Mittel beschaffen, die wir brauchen, um im Fall der Not unserer Familie und unseren Freunden helfend beizustehen. Wir könnten alle reich sein. Es ist nur unsere Politik, die das verhindert.
Wer würde ihm da widersprechen wollen?
Auf den ersten Blick nicht ganz einleuchtend ist allerdings, warum Gebauer jetzt für Libertas zur Europawahl antritt, und das mit einem Programm, das zwar durchaus vernünftig klingt, aber leider auch zu vielen interessanten Themen (um nicht zu sagen zu praktisch allen ausser einer EU-Reform) nichts aussagt. Strategisch betrachtet könnte sich dieser vermeintliche Schwachpunkt aber als äußerst genialer Coup erweisen, und zwar dann, wenn man die Europawahl als Testlauf für die Bundestagswahl im September betrachtet – ein Erfolg bei der Europawahl wäre das ideale Fundament für eine Deutschlandkampagne, und selbst bei einem Scheitern hätte man immer noch eine Organisation aufgebaut, die in einem Bundestagswahlkampf von einigem Nutzen sein könnte. Man darf also gespannt sein, was sich da noch so ergeben wird.
Übrigens: die Jungs & Mädels von Libertas brauchen wohl noch ein paar Unterschriften für die Wahl – ich habe meine schon abgegeben…



