Mai 2008

SPD: Genies, wohin das Auge blickt

Als gelernter Elektriker kennt sich Kurt Beck ohne Zweifel mit dem Internet aus, denn das wird ja schliesslich auch mit Strom gemacht. Also ideale Grundvoraussetzungen, um dem Rest der Welt mal zu zeigen, wie man so etwas richtig reguliert:

Verboten sind auch Pokerspiele im Internet, so weit der Internetprovider des Veranstalters seinen Sitz in Rheinland-Pfalz hat.

Ich bin überzeugt: Dadurch werden mindestens genau so viele Pokerpartien verhindert, wie es Politiker gibt, die eine 16%ige Diätenerhöhung verdient haben. Aber die SPD wäre ja nicht die SPD, wenn sie nicht auch für dieses Problem schon eine Lösung in der Tasche hätte, und die lautet in diesem Fall: Weitermachen wie bisher. Denn dank der permanenten Steuererhöhungsorgien kann sich bald sowieso niemand mehr ein Kartenspielchen leisten. Die Deutschen werden immer ärmer:

Der Familienrichter Jürgen Borchert rechnet vor, dass ein Durchschnittsverdiener, der eine vierköpfige Familie zu ernähren hat, netto nicht einmal mehr ein Einkommen zur Verfügung hat, das dem steuerlichen Existenzminimum entspricht. Bei einem Jahresgehalt von 30.000 Euro blieben für die Familie unterm Strich, inklusive Kindergeld, lediglich 24.000 Euro übrig.

Was man dagegen wohl tun könnte? Ist doch klar: Die Steuern erhöhen. Meint jedenfalls Olaf Scholz. Und weil der Mann ganz genau weiss, wie man sich fühlt, wenn man in der Hirnschale mehr Leerstände zu verwalten hat als ein Manager einer brandenburgischen Kleinstadtplattensiedlung, hat er gleich noch einen besonders originellen Vorschlag parat: Mehr Bildung soll’s richten, und zwar in Form eines Rechtsanspruchs auf einen Hauptschulabschluss. Den konnte bislang nur derjenige bekommen, der die erforderlichen Lernziele erreicht hatte, was aber eine klare Benachteiligung all derer darstellt, die das nicht wollen oder können (zum Beispiel aus Bequemlichkeit, oder weil nach der letzten Steuererhöhung kein Geld für Bücher und Schulhefte mehr übrig blieb). In solchen Fällen lässt sich in Zukunft das Abschlusszeugnis einfach einklagen. Man kann sich bildlich vorstellen, wie sehr sich die zukünftigen Arbeitgeber um solche “Absolventen” reissen werden, Schlangestehen vor den Gerichtssälen ist da wohl das mindeste, drunter geht gar nix. Erst recht bei einem Mindestlohn von 11 (oder noch mehr) Euro

Alles Gute zum 10. Geburtstag (und alte Hefte für lau)

Das ist doch mal eine nette Überraschung am Sonntagabend: Die über die Jahre schon etwas angestaubte ef-Webseite wurde passend zum Zehnjährigen frisch aufpoliert – und bei der Gelegenheit gleich mit einem Archiv versehen, bei dem man nicht nur die Artikel nach Autoren geordnet anschauen, sondern obendrein noch alle Ausgaben (ausser der aktuellen) komplett als PDF herunterladen kann. So was nenne ich wirklich mal eine faire Geste.

Man sollte sich allerdings vor dem Betreten vergewissern, dass man in den nächsten drei, vier Stunden nichts Wichtiges vorhat – die Zeit vergeht beim Stöbern in den alten Ausgaben schneller, als man denkt. Wer hätte z.B. geglaubt, dass in ef auch schon mal Links auf Pornoseiten verbreitet wurden? Der absolute Clou dabei: Die funktionieren sogar immer noch, obwohl das nun schon 7 Jahre her ist…

Mittlerweile will man sich ja etwas “seriöser” geben, was ich einerseits schon ein wenig schade finde, andererseits aber dann doch nicht so schlimm, weil erstens ist ef ja trotzdem noch eine interessante und kurzweilige Lektüre, und zweitens gibt’s ja mittlerweile so viele Blogs und Webseiten, dass man diesen Bedarf auch anderweitig decken kann. Zumal man es jemandem, der unter Klarnamen und mit deutscher Meldeadresse publiziert, nicht verübeln kann, wenn er sich an einigen Stellen etwas bedeckter hält – als “anonymer Heckenschütze” hat man es im Zensur- und “Jugendschutz”terrorstaat BRD manchmal eben einfach leichter.

Auf jeden Fall möchte ich ef, dem Herausgeber, allen Autoren und sonstigen Beteiligten an dieser Stelle gratulieren: Alles Gute zum Geburtstag, vielen herzlichen Dank für 82 tolle Hefte und 10 gute Jahre, ich freu mich auf die nächsten 10!

Anarchistische Comics

Ein Grund mehr, sich auf den Freitagabend zu freuen, sind die netten Webcomics von anarchyinyourhead.com:



gefunden in Oliver Heulers Golfforum

Philip Morris: Zusammen mit dem Staat gegen die Kunden

Schmeckt nach Etatismus und Verrat

Kann man als Zigarettenhersteller für höhere Tabaksteuern, Handels- und Werbeverbote und sonstige Gängelvorschriften eintreten? Na klar, meint man bei Philip Morris, denn derartige Staatseingriffe würden die Konkurrenz stärker schädigen und dem Marktführer somit einen relativen Vorteil verschaffen.

“Asoziale Marktwirtschaft” at its best, anstatt ein gutes Produkt zu einem günstigen Preis anzubieten, versucht man lieber zu Lasten der Kundschaft der Konkurrenz eins auszuwischen. Übrigens eine Strategie, mit der schon vor Jahren die grossen Hersteller gentechnisch optimierten Saatgutes auf die Nase gefallen sind – die wollten nämlich auch überzogene Kontrollen und Prüfvorschriften, um kleinere Mitbewerber vom Markt fernzuhalten. Was nicht nur Ökospinnern eine Steilvorlage lieferte (wenn sogar Hersteller strenge Gesetze forden, muss es ja wirklich gefährlich sein), sondern obendrein dazu führte, dass die ganze Branche praktisch zu Tode reguliert wurde und bis heute kaum entsprechende Pflanzen auf den Feldern (speziell in der EU) zu finden sind.

Wie auch immer, Freiheitsfreunde sollten sich jedenfalls überlegen, ob sie auf die Marken des Konzerns (neben Marlboro und “Philip Morris” u.a. L&M, Chesterfield, Karo) nicht lieber verzichten wollen. Der freundliche, vietnamesische Straßenhändler an der Ecke berät gerne über Alternativen.

Wo der Minister noch selbst Hand anlegt

Generell sind die Sachsen ja ein tolerantes Volk. Man kann sich da ungeheuer viel rausnehmen, jedenfalls wenn man die richtigen Freunde hat: Kinderbordelle betreiben, peinliche Akten verschwinden lassen oder sogar vor den Augen der Polizei randalieren – alles kein Problem, so was wird im allseitigen Einvernehmen diskret geregelt, ohne grossen Stress für irgendwen.

Doch eines darf man sich dort nie, nie trauen – nämlich einen Minister in seiner Dienstkarosse zu überholen. Wer das tut, wird sofort rausgewunken, und zwar gleich vom Minister persönlich. Dass der auf dem Foto auch noch aussieht wie ein Schlägertyp, ist allerdings reiner Zufall – der Herr Jurk wedelt höchstens mal freundlich mit der Kelle.

Gerechtigkeit, 2028

Die Klappe in der Tür öffnet sich mit einem lauten Quietschen. Ein Tablett wird hindurchgeschoben, darauf ein Pott Kaffee, zwei Brötchen, ein wenig Aufschnitt und Marmelade. Zugegeben: Schlecht ist das Essen hier nicht, tatsächlich sogar besser als einiges, was ich früher selbst in Hotels der gehobenen Preisklasse vorgesetzt bekam. Aber was hilft ein gutes Frühstück, wenn darauf kein guter Tag folgt? Hier gibt es keine guten Tage. Und keine schlechten. Totale Monotonie.

Mein Tag beginnt morgens um sieben mit dem Frühstück. Um 12 gibt es Mittagessen; eines von drei Tagesgerichten, das ich mir sogar selbst aussuchen darf. Abends, wieder um sieben, dann Abendessen. Brötchen, Aufschnitt, Käse. Manchmal auch Salat oder Obst. Das Essen kommt aus dem Hotel gegenüber; ich kann den schwarzen, modernen Glaskasten von meinem Fenster aus sehen. Und einen guten Teil der Stadt; man hat eine tolle Aussicht hier in der 22. Etage. Das ist Teil meiner Strafe: Mich immer wieder daran zu erinnern, dass ich die zahllosen belebten Strassen der Metropole zwar sehen, aber niemals mehr befahren kann, mir die Türen in den prachtvollen Fassaden der neu gebauten Häuser auf ewig verschlossen bleiben werden.

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Warten auf die Spammer

Jetzt hab ich’s doch endlich mal auf die Reihe gekriegt, hier eine aktuelle Version vom WordPress zu installieren, und bei der Gelegenheit auch mal gleich das clevere yawasp mit eingebaut (das Plugin verdreht die Namen der Kommentar-Formularfelder, so dass Bots, die die Feldnamen hart kodiert haben, ins Leere laufen). Und was passiert? Genau, kein Spambot weit und breit. Normalerweise schlagen die hier im Minutentakt auf, aber scheinbar ist gerade in China Feiertag oder so – jedenfalls wird das erstmal nix mit Happy Botwatching, schade aber auch.

Ansonsten ist das neue Adminpanel aber richtig schick geraten, mit einem schnellen(!) WYSIWYG-Editor und diversen anderen Ajax-Spielereien. Lediglich für die Kommentar-Administration gehört den Entwicklern ein fetter Gong verpasst, die ist nämlich im Standard auf 20 Kommentare hart(!) beschränkt. Gut, das kann man relativ einfach patchen, aber eigentlich lernt man doch heutzutage schon im Kindergarten, dass man solche Werte einstellbar zu machen hat. Andererseits – wenn es eines Tages keine Ansätze zum Modding mehr gäbe, wäre eine Menge Spass bei der Sache verloren, da könnte man sich höchstens noch auf die Inhalte konzentrieren oder so, und das kann’s ja auch nicht sein.