“Ferkelbuch” soll indiziert werden
Dass der Hauptzweck des bundesdeutschen “Jugend”schutzes keineswegs der Schutz der Jugend, sondern vielmehr die Bevormundung von Erwachsenen und das Unterdrücken mißliebiger Ansichten ist, wurde in diesem Blog ja schon des öfteren thematisiert. Ein aktueller Fall zeigt, wie so etwas in der Praxis abläuft:
Eine gewisse “Susanne Schuster” vom “Bundesministerium für Frauen, Familie, Senioren und Jugend” möchte am liebsten das sogenannte “Ferkelbuch” (ein religionskritisches Kinderbuch) verbieten lassen. Ob sie selbst nach der 487. Runde Solitär am Freitagmittag auf die Idee kam, die Zeit bis zum Wochenende mit einer anderen Tätigkeit zu überbrücken, oder ob ihr dies nicht vielmehr von interessierten Kreisen eingeflüstert wurde, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass man selbst im zensurfreundlichen Deutschland völlig harmlose Bilderbücher nicht einfach so verbieten kann. Das weiss sogar Susanne Schuster, aber sie weiss auch, dass es für solche Fälle einen Joker gibt (alle Zitate aus dem Indizierungsantrag):
In der Gesamtbetrachtung weisen Text und Abbildungen des Buches mithin antisemitische Tendenzen auf. Das Buch ist somit geeignet, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren
Angeblich ist man ja schon ein Nazi, wenn man nur das Wort “Antisemitismuskeule” in den Mund nimmt, aber eine andere Bezeichnung für ein solch plumpes Vorgehen fällt mir beim besten Willen nicht ein – immerhin handelt es sich hierbei nicht etwa um eine Neuausgabe des Pudelmopsdackelpinschers oder ein vergleichbares Machwerk, sondern lediglich um die kindgerecht erzählte Geschichte von einem Ferkel und einem Igel, die sich in einer Kirche, in einer Moschee und einer Synagoge auf die Suche nach Gott begeben. Was könnte daran antisemitisch sein? Frau Schuster erklärt es uns:
In dem Buch werden die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht. Die Besonderheiten jeder Religion werden der Lächerlichkeit preisgegeben.
Nun gut, wenn ein atheistisches Buch das nicht täte, wär’s wohl ein Fall für den Verbraucherschutz. Mal ganz abgesehen davon, dass die Lehren der jeweiligen Religionen durchaus korrekt wiedergegeben werden – wenn das auf Frau Schuster lächerlich wirkt, muss nicht unbedingt der Autor schuld daran sein.
Durch die Anführung des Beispiels der “Sintflut”, durch welche “Menschenbabys, Omas und Tiere” vernichtet worden seien, wird die jüdische Religion als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt
Das entspricht allerdings zu 100% den Zielen der rheinland-pfälzischen Landesverfassung (Artikel 33: “Die Schule hat die Jugend zur Gottesfurcht und Nächstenliebe [...] zu erziehen”). Ist die etwa auch “sozial-ethisch desorientierend”?
Dies ergibt sich aus folgenden Textpassagen:
“Eines Tages, sagte der Rabbi, ärgerte sich Gott, der Herr, so sehr über die Menschen, dass er sich entschloss, alles Leben auf der Erde zu vernichten. “Alles Leben?”, fragte das kleine Ferkel. “Alle Menschenbabys, alle Omas und alle Tiere? Auch die Ferkel, die Igel, die Schmetterlinge und die kleinen Meerschweinchen?”. “Ja, alles Leben” antwortete der Rabbi.
Unterstrichen wird die Wirkung des Textes durch den Bildbeitrag, in welchem zu sehen ist, wie der Rabbi symbolisch die Arche Noah in seinen Händen hält. Um ihn herum liegen verstreut Gegenstände, wie z.B. ein Babyschnuller und Kinderschuhe, die verdeutlichen sollen, dass bei der Sintflut Säuglinge und kleine Kinder ums Leben gekommen sind.
Den Vorwurf, die Bilder nicht gründlich angeschaut zu haben, kann man der Dame wirklich nicht machen; nicht annähernd so lange hat sie aber offenbar über die innere Logik ihrer Anwürfe nachgedacht. Denn neben so vernachlässigungswürdigen Details wie der Tatsache, dass die Geschichte mit der Sintflut nicht nur kein exklusives Merkmal des Judentums ist (Christen glauben das genauso), sondern tatsächlich auch Meerschweinchen betrifft (die sind trotz ihres Namens nämlich nur mäßig gute Schwimmer), drängt sich unmittelbar die Frage auf, wie es denn mit der desorientierenden Komponente von Religionsgemeinschaften aussieht, die selbst an nahezu jeder Straßenecke mit extrem blutrünstigen Darstellungen -wie z.B. Menschen, die bei lebendigem Leibe an ein Kreuz genagelt werden- Werbung treiben. Dies zu tolerieren und gleichzeitig Bücher verbieten zu wollen, in denen genau dasselbe aus kritischer Perspektive erzählt wird, erscheint dagegen reichlich scheinheilig.
Am 6. März soll die Bundesprüfstelle nun entscheiden, ob das Buch tatsächlich jugendgefährdend ist; wenn ja, dürfte es nur noch an Erwachsene abgegeben und nicht mehr beworben werden, was einem faktischen Verkaufsverbot gleichkäme. Man darf gespannt sein, ob die offensichtliche Rechnung der Ministerialbürokraten (“bei Antisemitismus guckt eh keiner so genau hin”) dann aufgehen wird.
Mehr Infos zum Buch gibt’s unter http://www.ferkelbuch.de
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Siehe auch: “Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel” auf Freiheitsfabrik
// DDH // 2008-02-08 21:15 //



