Schöne Bescherung
So sieht “Rechtssicherheit” in Deutschland anno 2007 aus: Ein (nicht ganz unbekannter) Strafverteidiger rät allen Internetbenutzern,
Sexseiten überhaupt nicht mehr anzusurfen. Zu groß ist die Gefahr, dass sie in ihren Untiefen (auch) illegalen Content enthalten, aber schon der Besuch auf legalen Seiten einen “Anfangsverdacht” bei den Fahndern auslöst.
Im beschriebenen Fall wurde das Verfahren nach monatelanger Auswertung der Bildersammlung des Betroffenen eingestellt, weil sich schlichtweg keine kinderpornographischen Bilder darin befanden. Was bleibt, sind “Kollateralschäden”:
Bei meinem Mandanten wurden Büro und Wohnung durchsucht. Seine Frau und sein Chef zogen schon zu Beginn der Aktion die naheliegenden Konsequenzen. Dass mein Mandant nach Monaten einen schmucklosen Einstellungsbescheid ohne ein Wort des Bedauerns erhielt, interessierte sie nicht sonderlich.
Nun gut, die treulose Schlampe ist kein wirklicher Verlust, da kann er eher froh sein, wenn er die los ist. Abgesehen davon ist es natürlich eine Riesensauerei, welcher Bedrohung völlig Unschuldige durch den sogenannten “Rechtsstaat” mittlerweile ausgesetzt sind.
Konsequenzen für die beteiligten Staatsorgane wird das wohl kaum haben, im Gegenteil, es werden munter weiter massenhaft Internetuser verfolgt, deren tatsächliche Schuld wohl in vielen Fällen mehr als zweifelhaft sein dürfte. Unter heftigem Applaus der “unabhängigen” Presse, die unverdrossen von einer “internationalen Kinderporno-Mafia” und einer “global operierenden Szene” schwadroniert, auch wenn die in Wirklichkeit vorwiegend aus Leuten besteht, die aus Versehen irgendwann mal eine falsche Seite angeklickt haben.
Schützen kann man sich gegen diese Art des Justizterrors praktisch nicht, es sei denn, man benutzt für alle Internetzugriffe einen Proxy im Ausland, dessen Betreiber nachweislich keine Logdateien erstellt. Ansonsten bleibt nur das Prinzip Hoffnung in Verbindung mit ausreichender Vorsorge: Wer seinen PC bzw. dessen Daten beruflich benötigt, muss täglich Backups erstellen und diese ausser Haus schaffen. Selbstverständlich verschlüsselt. Dabei sollte man auch ab und zu mal den Tag nach der Hausdurchsuchung proben: Alte Platte raus, leere Platte einbauen und anschliessend versuchen, das System wieder lauffähig zu machen, ohne dabei auf lokal herumliegende Images, Installationsmedien usw. zurückzugreifen – die haben die Freunde und Helfer im Ernstfall nämlich mitgenommen. Als Lagerort für Notfallmedien usw. empfiehlt sich dabei weniger das eigene Bankschliessfach (das dürfte im Zweifelsfall ebenfalls von der Beschlagnahmung betroffen sein), sondern eher Freunde, Verwandte etc.; das tägliche Backup verteilt man am besten redundant auf verschiedene Hoster im Internet, was wiederum eine Flatrate mit gutem Upstream erfordert.
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…und nicht zu vergessen die wunderbaren Steuergelder, die bei der ganzen Aktion verschwendet werden.
// LibertyChris // 2007-12-27 13:28 // -
Das heißt praktisch, dass man sich beim Anklicken eines Fuskerlinks aus dem Fuskerorama auch strafbar machen kann. Auch wenn man den Inhalt gar nicht sehen wollte. Reicht das dann wenn die entsprechenden Bilder in den Temp Inet Files liegen oder muss man sie explizit downloaden? Ist die Aktion Himmel ermittlungstechnisch Fusker orientiert?
// gugelhupf // 2008-01-07 20:04 // -
@gugelhupf:
Strenggenommen muss man noch nicht mal auf so einen Fusker-Link klicken, weil die Bilder ja direkt von den Quellen eingebettet werden. Wenn also jemand solchen Kram fuskert, würde das schon beim Aufruf des Fusker-O-Rama heruntergeladen, ohne dass man irgendwas klickt…Zwar säubern alle mir bekannten Fusker-Seiten ihre Listen regelmässig und schmeissen problematische Inhalte raus (ich würde auch niemanden aggregieren, der das nicht tut), trotzdem sollten vorsichtige Menschen im Zweifelsfall Tor, Xerobank o.ä. benutzen.
Soweit mir bekannt ist, hat die beschriebene Aktion im Übrigen nichts mit Fusker zu tun, nach allem was man so liest handelte es sich wohl eher um ein Forum o.ä.
// drchaos // 2008-01-08 00:52 //



