Nieder mit dem Kompromiss!

Rayson von den Bissigen Liberalen tat beim antibuerokratieteam jüngst folgendes kund:

Es ist doch völlig klar, dass eindeutige, klare Lösungen besonders geeignet sind, Begeisterung auszulösen, während das alltägliche Schließen von Kompromissen und die Akzeptanz der Weisheit, dass es Vollkommenheit nicht nur nicht geben kann, sondern dass es auch meist falsch ist, sie überhaupt anzustreben, als äußerst unattraktiv angesehen werden muss.
[...]
Engagement ist kein Wert an sich. Wir brauchen nicht noch eine Ideologie, die Mangel an Verwirklichungschancen durch radikale Lösungen zu kompensieren versucht. Da hat jo@chim völlig Recht, wenn er sich despektierlich über die Revolutionsträumerei äußert. Es nutzt einer Sache überhaupt nichts, wenn man sie ideologisch so festzurrt, dass sie nur noch im Wolkenkuckucksheim eine Zukunft hat und letztlich nur noch den Nutzen abwirft, dass sich die Anhänger selbst als besonders reine Verfechter ihrer Lehre stilisieren können, die sich noch nicht einmal durch Kompromisse mit der Realität korrumpieren lassen.

Auch wenn es nicht so gemeint sein dürfte: Eine treffendere Analyse dessen, was falsch läuft mit dem deutschen Liberalismus, habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Es lohnt sich, das einmal im Detail zu betrachten (nicht, um hier einen Tag vor Weihnachten noch mal öffentlich den Kollegen zu bashen, sondern weil es wirklich sehr symptomatisch für den Zustand bestimmter Strömungen im Lande ist).

Der Anfang ist korrekt: “eindeutige, klare Lösungen” sind besonders geeignet, Begeisterung auszulösen, oder mit anderen Worten, werden besonders stark nachgefragt. Und warum? Weil sie vernünftig und nachvollziehbar sind. Nehmen wir als Beispiel den Rechtsverkehr: Jedes Kind weiss, welches Problem diese Regelung lösen soll, und wie sie funktioniert. Und weil das so ist, halten sich die Verkehrsteilnehmer freiwillig daran.

Betrachten wir nun ein anderes Beispiel, nämlich die geplante (mittlerweile aber wohl verworfene) EU-Weinmarkt”ordnung” und dort speziell den Passus, nachdem das Zuckern von Wein verboten werden sollte. Was ist (war) der Hintergrund dieser Regelung? Die EU hatte über Jahrzehnte hinweg die Winzer mit großzügigen Subventionen angefüttert; diese hatten sich den künstlichen Anreizen entsprechend verhalten und weit über die tatsächliche Nachfrage hinaus Wein angebaut, der vom Staat zu hohen Garantiepreisen abgenommen und unter weiteren Kosten zu Industriealkohol destilliert wurde, obwohl der sich mit anderen Verfahren viel billiger herstellen lässt. Da dieses Spielchen den Politikern aber mittlerweile zu teuer geworden war, und man die Subventionsmillionen lieber an anderer Stelle ausgeben wollte (von zurückgeben war selbstverständlich nie die Rede), beschloss man diese Regelung zu “reformieren”: In Zukunft sollten die Winzer für das Roden von Weinbergen bezahlt werden, insgesamt 2,4 Mrd. Euro waren dafür vorgesehen. Das allerdings war den Weinbauern zu wenig und vor allem nicht nachhaltig genug; man muss nicht Agronomie studiert haben um zu begreifen, dass man einen Weinberg nur einmal abholzen kann, während das Verkaufen nicht nachgefragten Weins an den Staat jedes Jahr aufs Neue funktioniert. Die EU-Bürokraten brauchten eine Lösung, und die fanden sie im alten Prinzip “divide et impera” (teile und herrsche): Würde man den Winzern aus bestimmten Anbaugebieten einen künstlichen Marktvorteil verschaffen, wären sie mit der Reform versöhnt und man müsste sich nur noch mit den anderen rumschlagen. Und weil Wein nun mal um so besser schmeckt, je süsser er ist, verfiel man auf die Idee, das Zuckern zu verbieten, was logischerweise vor allem die Anbaugebiete nördlich der Alpen betreffen würde (in den Mittelmeerländern gibt es mehr Sonne, deswegen wird der Wein von selbst süss).

Die Weinmarktordnung ist ein typisches Beispiel für das von Rayson beschriebene “alltägliche Schließen von Kompromissen” in der Politik. Inzwischen brüsten sich deutsche Politiker mit dem tollen “Erfolg”, dieses Vorhaben zunächst verhindert zu haben. Und murksen in “Akzeptanz der Weisheit, dass es Vollkommenheit nicht nur nicht geben kann, sondern dass es auch meist falsch ist, sie überhaupt anzustreben” munter weiter, um eine andere, genauso untaugliche, schädliche und kostspielige “Lösung” zu erarbeiten, einen Kompromiss, der irgendwann gefunden werden und dann eventuell alle Beteiligten besser befriedigen wird – ausser dem Bürger, der wieder mal für diesen und allen möglichen anderen Unfug die Zeche zu zahlen hat.

Wie viel besser sieht doch die eindeutige, saubere Lösung der Problematik aus: Sie beginnt mit der Erkenntnis, dass eine “Weinmarktordnung” von vorneherein komplett überflüssig und schädlich ist, dass es ein Riesenfehler war, jemals eine ins Leben zu rufen und dass die einzige logische Konsequenz daraus sein kann, sie so schnell wie möglich ersatz- und ausgleichslos abzuschaffen. Ich glaube, dass mir in diesem Punkt sogar Rayson zustimmen würde (wenn nicht, bin ich auf die Gegenargumentation sehr gespannt), nur würde er (behaupte ich einfach mal) jetzt einwenden, dass dies aufgrund der existierenden Mehrheitsverhältnisse usw. usf. nicht durchsetzbar wäre. Was uns vom Speziellen zum Allgemeinen und zum Kern der Sache bringt, denn dieses Argument bedeutet nicht mehr, als dass man den Kampf schon aufgibt, bevor man ihn überhaupt angefangen hat, dass man sich angesichts der (unbestrittenen) Schwierigkeit einer Aufgabe von vorneherein gegen die Lösung und für das Weiterwursteln als Alternative entscheidet.

Eine solche Haltung mag bequem sein, aber zielführend und konstruktiv ist sie deswegen keinesfalls. Sie ist Mittelmaß im schlechtesten Sinne; anstatt Vorbild zu sein und das Wünschenswerte zu betonen, erhebt sie den faulen Kompromiss zum Ideal, nährt die Illusion des unüberwindbaren Istzustands, und wird spätestens dann zum Teil des Problems, wenn bessere, vernünftigere Vorschläge als “Utopie” und “Träumerei” verleumdet werden.

Tatsächlich ist es die Vision einer besseren Welt, sind es keine anderen als die meist belächelten und nicht selten aufs übelste bekämpften “Träumer”, die alles das ersonnen und geschaffen haben, was unsere heutige Zivilisation ausmacht. Ohne den ersten Menschen, der auf die Idee kam, die gefährliche und todbringende Kraft des Feuers zu zähmen und dem eigenen Willen zu unterwerfen, sässen wir noch heute frierend in dunklen Höhlen. Ob es damals schon Mahner, Bedenkenträger und andere “Realisten” gab, die spätestens nach dem ersten verbrannten oder erstickten Steinzeitmenschen dringend dazu aufriefen, die Finger von dieser teuflischen Technologie zu lassen, wissen wir nicht, aber wenn es so war, können wir alle froh sein, dass sie sich zum Schluss nicht durchgesetzt haben. Springen wir ein paar tausend Jahre weiter in der Geschichte: Nicht wenige Leser werden über die Feiertage Verwandte besuchen oder in Urlaub fahren, und zu diesem Behufe möglicherweise auch eine Autobahn benutzen. Selbst wenn nicht – der Tannenbaum, der jetzt geschmückt im Wohnzimmer steht, hat mit fast hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit einige Kilometer auf einer solchen zurückgelegt, ebenso die Weihnachtsgans und der zugehörige Sekt, Weinmarktordnung hin oder her. Kein vernünftiger Mensch käme auf die Idee, ohne Autobahnen auskommen zu wollen, und doch waren es die Spinner, die Utopisten, die vor gut hundert Jahren zuerst auf die Idee kamen, man sollte das ganze Land mit einem Netz schneller, gut ausgebauter Strassen überziehen, auf denen man später einmal 120 km/h und schneller fahren können würde, sobald die dafür erforderlichen Fahrzeuge erst verfügbar wären – zum Zeitpunkt der ersten Planungen gab es so schnelle Autos höchstens auf Rennstrecken, trotzdem legte man die sogenannte Entwurfsgeschwindigkeit von vorneherein so fest. Es ist wohl müssig zu erwähnen, dass es private Investoren und Vordenker waren, die -wie bei der Eisenbahn- zunächst Planung und Bau vorantrieben, während staatliche Stellen desinteressiert bis ablehnend zuschauten.

Wer jetzt vorschnell einwendet, der Autobahnbau seie ja ein rein technisches Problem, während es in der Politik vorwiegend um gesellschaftliche Fragen ginge, bei denen andere Bedingungen gälten, irrt, denn weder Technik noch Organisation sind beim Straßenbau sonderlich komplex, sondern die Frage, wer wo und mit welchen Mitteln Straßen baut. Das ist exakt das gleiche Problemfeld, mit dem sich die Weinmarktordnung beschäftigt, und genau wie dort ist die einfachste Antwort auch die einzig korrekte: Der Markt allein muss es richten, und zwar ohne extern vorgegebene “Ordnung”. Was dabei herauskommt, wenn man davon abweicht, lässt am Beispiel der “Verkehrsprojekte Deutsche Einheit” gut zeigen: Ein Überangebot an kaum befahrenen Autobahnen im Osten, auf deren vier und zum Teil sogar sechs Spuren vereinzelte Touristen zwischen Investitionsruinen (Stichwort: Sonderabschreibung Ost) hin- und herpendeln, während im Westen zu jeder Tages- und Nachtzeit tausende LKW und PKW auf heruntergekommenen und völlig unterdimensionierten Schlaglochpisten im Stau stehen.

Mit Trippelschritten und Angst vor echten Veränderungen wird man diesem und der Vielzahl anderer, grosser Probleme nicht beikommen. Doch Politik, im Raysonschen Sinne als permanenter fauler Kompromiss mit einer vermeintlichen “Realität” definiert, hat prinzipbedingt nicht mehr zu bieten; sie wird völlig zu Recht zum kompletten Ladenhüter, der von kaum noch jemandem überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Das gilt erst recht in einer Zeit, in der von interessierten Kreisen immer neue Freiheitseinschränkungen, Enteignungen und andere Zumutungen mit bis vor kurzem unvorstellbarer Geschwindigkeit vorangetrieben werden; wer angesichts dieser beängstigenden Tendenzen nicht erkennt, dass unbedingter Widerstand mit allen vertretbaren Mitteln die einzige vertretbare Option ist, macht sich nicht nur lächerlich, sondern muss sich sogar indirekte Beihilfe zu solchen Bestrebungen vorwerfen lassen.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es immer Leute gab und geben wird, die statt vernünftigen Lösungen falsche und dumme Ideale oder Mittel propagieren, wie radikale Lösungen abseits des Marktes oder das Durchsetzen bestimmter Vorstellungen mit Zwang und Gewalt. Doch die Antwort darauf kann nicht der vorauseilende Verzicht auf eine bessere Welt sein, sondern nur das radikale und kompromisslose Vertreten des richtigen Weges mit den richtigen Mitteln. Und den kann nur derjenige finden, der sein Ziel klar vor Augen hat.

13 Kommentare »
  1. Die Grünen haben sich anfangs auch nicht um die politische Realität geschert, sondern nach dem Motto ‘das unmögliche Fordern um das Realistische zu bekommen’ gehandelt. Die Kompromisse werden schon von den anderen an einen herangetragen; dazu muss man selber aber genau wissen, was man will und dieses Ziel ist eben nicht der Kompromiss, sondern das ‘Wolkenkuckucksheim’.

    // dagny // 2007-12-24 13:13 //
  2. Ist es Zufall, dass Du gesellschaftliche Prozesse mit Ingenieursleistungen vergleichst, Drchaos? Ganz offensichtlich ebenfalls jenem tragischen Trugschluss des sozialistischen 20.Jahrhunderts unterliegst, die “Visionen” revolutionärer Massen würden irgendetwas zum Positiven verändern?

    Die Grundlage für das Autobahnnetz in Deutschland wurde von eben so einer Bewegung gelegt, by the way. Nicht in “evolutionären Trippelschritten” (pass auf, dass Dir Hayek keins hinter die Löffel gibt, im Traum, heut nacht), sondern im Zuge einer einzigen “visionären” Anstrengung für Volk, Reich und Führer…

    Ein Gegenbeispiel ist für mich der Ausbau der Eisenbahnen im Zuge der Eroberung des amerikanischen Westens: das waren Individuen, die aus purem Egoismus, ohne irgendeine “Bewegung” zu benötigen, unter Missachtung von Normen und tradierten Regeln, nur unter weitestgehender Abwesenheit von Staat und Politik, “zufälligerweise” (oder eben nicht zufälligerweise) Grossartiges für ihre Mitmenschen bewirkt haben. Durchaus in einer “revolutionären” Geschwindigkeit, aber ganz ohne “Bavaria-for-Railways”-Spinnerei :D

    Oh Mann! Muss ich Dir als erklärtem Anarchisten das wirklich erklären? Bleibt mir weg mit Eurer Scheiss-”Revolution”! Wer so etwas absondert, den umfahre ich weiträumig – und nehme mir auch heraus, das allen Mitmenschen, die’s hören wollen, ebenfalls nahezulegen.

    Einen noch, einen Managementwitz, der hervorragend zum Thema passt: “Im Management und in der Politik benötigt man Visionen, um weiter zu kommen. Im richtigen Leben benötigt man sie, um ins Irrenhaus zu kommen”.

    In diesem Sinne, trotzalledem und alledem – nachdenkliche Feiertage und ein gesundes, erfolgreiches Jahr 2008!

    Achim

    // jo@chim // 2007-12-24 13:39 //
  3. Was gibt es kompromissloseres als die Freiheit, ganz gleich ob im wirtschaftlichen oder individuellem Sinn – und das ist keine Frage von Politik?

    Utopia ist im Hier und Jetzt, geschaffen von grünen, roten und braunen Sozialisten. Ich unterstelle mal DrChaos, dass er nicht der Meinung ist mit einer großen Revolution die Menschen zu ihrem Glück zwingen zu können.

    Um vom Wolkenkuckucksheim zu sprechen, muss man wirklich von der Unmöglichkeit einer Sache überzeugt sein, aber Veränderung im Sinne der Freiheit kann nicht bedeuten, dass man vor einer echten oder vermeintlichen Realität kapituliert, und das geschieht zwangsläufig, wenn man faule Kompromisse predigt. Die reine Lösung wird kurz- und mittelfristig nicht umsetzbar sein und eine unpolitische Bewegung hat es tendenziell schwerer sich Gehör zu verschaffen, dennoch wird sich zeigen, was von der “angeblichen” und “ultimativen” Realität übrig bleibt, wenn sie mit dem Gedanken der Freiheit in der ebenfalls ultimativen Form konfrontiert wird.

    // LibertyChris // 2007-12-24 18:10 //
  4. Hallo Joachim,

    Ist es Zufall, dass Du gesellschaftliche Prozesse mit Ingenieursleistungen vergleichst, Drchaos?

    der Autobahnbau ist durchaus auch ein gesellschaftlicher Prozess gewesen, wie ich ja bereits schrieb, aber der wurde eben angestossen durch die privaten Vordenker (und nicht etwa die Nazis, die haben das nur aufgegriffen und das auch erst mit Verzögerung). Hätten sich die damaligen Visionäre (es waren nicht nur Ingenieure, sondern auch Politiker, namentlich der Frankfurter Oberbaurat Uhlfelder, der die HaFraBa gründete) auch von vorneherein in ihren Ideen beschränkt, hätten wir heute noch keine Autobahn, Nazis hin oder her. In diesem Punkt gibt es keine grossen Unterschiede zum amerikanischen Eisenbahnbau, der für meine Argumentation ebensogut getaugt hätte.

    Ganz offensichtlich ebenfalls jenem tragischen Trugschluss des sozialistischen 20.Jahrhunderts unterliegst, die “Visionen” revolutionärer Massen würden irgendetwas zum Positiven verändern?

    Das Problem waren doch nicht die Ziele der (frühen) Sozialisten (je nachdem, wen man fragt, waren die durchaus ehrenwert, mit “Freiheit und Wohlstand für alle” hab ich jedenfalls kein Problem), sondern die Mittel. Und man kann auch nicht wirklich behaupten, dass z.B. die Bolschewisten gross etwas für die Wünsche und Träume “der Massen” übrig gehabt hätten; für die war das nur eine Fassade mit exakt der selben Funktion wie sie das Paradies für die christlichen Kirchen oder die 70 Jungfrauen für die Islamisten hat, nämlich eine Möhre vor der Nase der nützlichen Trottel, die man anschliessend für die eigenen Zwecke instrumentalisieren kann.

    Natürlich kannst Du mir oder den Anhängern von Ron Paul oder Ron Paul selbst Ähnliches unterstellen, nur solltest Du das dann auch irgendwie begründen, wenn es nicht reines FUD bleiben soll.

    Oh Mann! Muss ich Dir als erklärtem Anarchisten das wirklich erklären? Bleibt mir weg mit Eurer Scheiss-”Revolution”! Wer so etwas absondert, den umfahre ich weiträumig – und nehme mir auch heraus, das allen Mitmenschen, die’s hören wollen, ebenfalls nahezulegen.

    Natürlich brauchen wir eine Revolution, und zwar eine in den Köpfen – noch mehr in Europa als in den USA, wo das gesunde Misstrauen gegenüber der Obrigkeit viel eher verwurzelt ist als hierzulande. Die Botschaft der Freiheit lautet “Staat und Zwang ist an sich, und allerhöchstens in ganz beschränktem Masse zu tolerieren” (letzteres wenn man Minarchist ist), und das ist für die meisten Leute ohne Zweifel revolutionär. Warum sollte man das nicht sagen dürfen?

    Und ehrlich gesagt, mit dieser “lasst uns abwarten, bis der ganze Staatsquatsch von selbst verschwindet”-Haltung hab ich noch nie was anfangen können. Zu glauben, dass die Freiheit irgendwann von selber käme, obwohl auf der anderen Seite Leute sitzen, die ein vitales Interesse daran haben, dass exakt das nicht passiert, ist einfach nur Käse. Da kann man auch gleich glauben, das Problem der Strassenräuber ginge irgendwann von selbst weg, wenn nur immer alle brav jeden Abend ihre Geldbörse wieder vollmachen bevor sie im dunklen Park joggen gehen.

    Vielleicht kommst Du wirklich eines Tages in den Genuss von (mehr) Freiheit, ohne was dafür zu tun (wünschen würde ich’s Dir ja). Dann aber nur, weil andere an Deiner Stelle diesen Kampf ausgefochten haben (und bis in alle Ewigkeit weiter auskämpfen; Freiheit ist genauso flüchtig wie Wärme, sie ist ganz schnell fort wenn man sie nicht fortwährend verteidigt).

    // drchaos // 2007-12-24 18:24 //
  5. Das Problem waren doch nicht die Ziele [...], sondern die Mittel.

    Als wenn das Ziel der Umerziehung des Menschen (und der daraus logisch resultierende “Kampf” gegen Volksschädlinge die nicht umerzogen werden wollen) nicht Kern jedweder revolutionären Politik wären. Oh mein Gott, was für Grütze. Es lag also nur an den “Mitteln”, aha: Willkommen im demokratischen Sozialismus, Genosse.

    mit dieser “lasst uns abwarten, bis der ganze Staatsquatsch von selbst verschwindet”-Haltung hab ich noch nie was anfangen können.

    Ich auch nicht. Reformismus so (und als Ziel-los) zu charakterisieren hat immer das G’schmäckle von Denunziation…

    btw: wie sehr Euer Revolutionsgesülze Euch die Hirne vernebelt, zeigt gerade auch diese Diskussion: als wenn Statler und ich nicht aus einer Grundsympathie heraus über Ron Paul geschrieben hätten. Aber die kritischen Töne zur Kampagne waren wohl schon zuviel Dissonanz im revoluzzionären Blöken: Zwischentöne sind bloss Krampf, im libertären Klassenkampf. Gelle.

    // jo@chim // 2007-12-25 10:28 //
  6. Hi Joachim,

    Du WILLST glauben, daß ich kollektivistisch vernebelt bin. Ich kann schreiben was ich will.Du machst Dir auch nicht die Mühe, Dr Chaos` Kritik an den Aussagen Cowens ernstzunehmen, wenn ich schon zu vernebelt (und vor allem zu ungeduldig gegenüber so einem niveau- und haltlosen Geschreibsel) bin.
    Du phantasierst mich in die Ecke, die Du gerne hättest, um dagegen sein zu können.

    Fabio

    // Fabio // 2007-12-25 11:42 //
  7. Als wenn das Ziel der Umerziehung des Menschen (und der daraus logisch resultierende “Kampf” gegen Volksschädlinge die nicht umerzogen werden wollen) nicht Kern jedweder revolutionären Politik wären. Oh mein Gott, was für Grütze. Es lag also nur an den “Mitteln”, aha: Willkommen im demokratischen Sozialismus, Genosse.

    Wo schrieb ich, dass ich wen umerziehen will? Du phantasierst Dir da offenbar was zusammen, bloss um Dich mit meinem eigentlichen Argument (weichgespülertes Kompromissgehabe ist nichts weiter als intellektuelle Faulheit und der Freiheit alles andere als förderlich) nicht auseinandersetzen zu müssen.

    Von mir aus kannst Du gerne die “Früchte der interventionistischen amerikanischen Aussenpolitik geniessen”, während Du Dir irgendwelche “Reformen” ausdenkst – mein Vorschlag an dieser Stelle wäre eine Bürokratieabbaukommission, ausgestattet mit vielleicht 100 bis 150 Planstellen, die können sich dann mit den Bürokraten aus den anderen Ressorts zusammensetzen und nach drei, vier Jahren die ersten Verhandlungsergebnisse bekanntgeben. Eventuell schafft man es ja diesmal, zwei vierseitige Antragsformulare zu einem siebenseitigen zusammenzufassen, das wäre immerhin mehr als die entsprechende Initiative aus rot-grüner Zeit zu Wege gebracht hat, aber mit Mut, Entschlossenheit und einer üppigen Finanzausstattung kriegt man das vielleicht hin, vorausgesetzt der FDP-Parteitag verwirft das Konzept nicht von vorneherein als “zu radikal”.

    Aber versuch doch dabei bitte nicht, irgendwem so was als zielführend zu verkaufen. Der Reformismus hat seine Chance gehabt, das wird seit Jahrzehnten, man könnte fast sagen, seit Gründung der Republik, probiert – und was ist dabei herausgekommen? Lauschangriff, Abschaffung des Bankgeheimnisses, Mehrwertsteuererhöhung, Vorratsdatenspeicherung, Bundestrojaner usw. usf., da gibt es ja eine schöne Liste die Du bestimmt auch schon kennst. Ludwig Erhard in allen Ehren, aber müssen wir wirklich abwarten bis die allerletzte der Errungenschaften aus dieser Zeit von irgendwelchen EU-Sowjets wegharmonisiert worden ist, bevor man aufhört, sich im Glanz vergangener Zeiten zu sonnen und eine ernsthafte Gegenbewegung auf die Beine zu stellen?

    btw: wie sehr Euer Revolutionsgesülze Euch die Hirne vernebelt, zeigt gerade auch diese Diskussion: als wenn Statler und ich nicht aus einer Grundsympathie heraus über Ron Paul geschrieben hätten. Aber die kritischen Töne zur Kampagne waren wohl schon zuviel Dissonanz im revoluzzionären Blöken: Zwischentöne sind bloss Krampf, im libertären Klassenkampf. Gelle.

    Ähm, falls es noch nicht aufgefallen sein sollte: Mit Ron Paul hat das alles höchstens am Rande zu tun; mein ganzer Beitrag oben erwähnt ihn nicht mal. Aber das reicht ja schon, um mich zum “Sozialisten” und “Umerzieher” zu ernennen, selbstverständlich ohne dass das irgendwas mit dem zu tun hätte, was ich tatsächlich geschrieben habe, “Zwischentöne”, aha, alles klar.

    Die echten Sozialisten lachen sich vermutlich einen ab, wenn sie so was lesen…

    // drchaos // 2007-12-25 14:39 //
  8. Erstmal etwas “Meta”:

    Ich halte es nicht für besonders guten Stil, kontextbezogene Kommentaren zu einem anderen Beitrag in einem anderen Blog auf diese Weise aufzugreifen. Ich kenne das bisher nur von einem bestimmten anderen politischen Blog, dessen Sinn und Zweck anscheinend darin besteht, sich in einem engen Kreis gegenseitig auf die Schulter zu klopfen, dass man doch soviel besser als die anderen ist. Wer weiß, vielleicht besteht da ja tatsächlich eine Seelenverwandtschaft…

    Zum Thema:

    Da fällt es wirklich sehr schwer, nicht Godwin’s Gesetz zu erfüllen, wenn man Begriffe wie “fauler Kompromiss” liest.

    Mal ganz abgesehen von der falschen Analogie zur Politik, die den Unterschied zwischen öffentlichen und nicht-öffentlichen Gütern ignoriert:

    Es gibt keine “ehernen Gesetze” der Organisation menschlichen Zusammenlebens, die auch nur annähernd die Qualität von Naturgesetzen erreichen könnten. Etwas anderes zu behaupten, wäre Anmaßung von Wissen. Wer den Sinn für die Realität nicht aus den Augen verloren hat, muss akzeptieren, dass in der politischen Welt die verschiedensten Interessen und Sichtweisen zusammenkommen. Unter dieser Bedingung die Voraussetzung zur Norm zu erheben, die eigenen radikalen Lösungen ungeschmälert durchgesetzt zu bekommen, lässt sich mit der anderen Prämisse der gewaltlosen Konfliktlösung nicht vereinbaren oder – und das ist das Absurde an der Forderung – verdammt den eigenen Anspruch selbst zur Wirkungslosigkeit.

    Hic Rhodos, hic salta, kann man da nur rufen. Wer kompromissbereit ist (der Ausdruck “Kompromiss als Ziel” ist übrigens eine böswillige Verfälschung dieser Position), kann immerhin etwas ändern. Wer aber die radikale Lösung nur propagiert, wegen dieser dummen Voraussetzung der Gewaltlosigkeit aber ständig an ihrer Durchsetzung gehindert wird, der kann zwar bis ans Ende aller Tage sich damit brüsten, was er alles Dolles getan hätte, hätte man ihn denn je gelassen, aber das ist im Prinzip eine ziemlich sinnfreie Veranstaltung.

    Sprache ist manchmal etwas zu geduldig: Da fällt unter “Lösung” die Einführung des Rechtsverkehrs ebenso wie die Abschaffung des Eigentums an den Produktionsmitteln oder die Vernichtung der Juden. Sind diese “Lösungen” besonders stark nachgefragt? Kann man sagen. Aber auch vernünftig und nachvollziehbar? Nachvollziehbar vielleicht noch, jedenfalls für Gemüter, die für sowas empfänglich sind.

    Ich bin jedenfalls der Überzeugung, dass es Endziele nur als gefährliche Hirngespinste gibt, und dass vernünftiges politisches Handeln zwar nicht die Richtung aus dem Auge verlieren darf, aber auch nicht, dass jeder Weg eine Abfolge von Schritten ist und so gut wie immer Kurven aufweist.

    Danke für den Hinweis auf die Weinmarktordnung übrigens. Dass du meine Positionen, oder besser: was du dir da als Strohmann aufbaust, gleich mit dargestellt hast, ist diskussionsökonomisch natürlich ungeheuer praktisch, führt aber leider dazu, dass ich darauf aus hygienischen Gründen nicht näher eingehen werde. Aber es gibt mir die Gelegenheit darauf hinzuweisen, um was es eben geht: Um das alltägliche Anbohren solcher Bretter. Und nicht um den großen, Gesellschaften umgestaltenden Wurf. Wer sich mit ersterem nicht die Finger schmutzig machen will, kann zwar von der Tribüne über das Dargebotene motzen und von der glorreichen Vergangenheit, wo alles besser war, oder der glorreichen Zukunft, wo alles besser werden wird, schwärmen, wird aber nie selbst auch nur einen Span Veränderung bewirken.

    Oder anders gesagt: Die einen fordern die komplette Abschaffung der Armut und haben dafür selbstverständlich eine klare und eindeutige, deswegen nachvollziehbare und vernünftige Lösung in der Tasche. Die anderen helfen einfach irgendwelchen Armen. Und es sind dann diejenigen, die immer nur fordern, die eine konkrete Hilfe dann als “Stabilisierung des Systems” denunzieren.

    // Rayson // 2007-12-25 20:18 //
  9. Rayson,

    es gibt einen riesigen Unterschied zwischen der Bereitschaft zu Kompromissen und dem vorauseilenden Einbauen eines solchen in die eigenen Forderungen. Wenn ich von Karlsruhe aus nach München will, ist nichts Falsches daran, mit jemand anderem zusammen erstmal nach Stuttgart oder Ulm zu fahren, solange ich nur weiss, wo ich eigentlich hinwill. Sage ich mir dagegen, “Bayern ist soooo weit, irgendwo im Schwäbischen zu sein wär schon mal besser als hier”, dann kann es leicht passieren dass ich plötzlich in Friedrichshafen sitze und feststellen muss, dass es da überhaupt keine Autobahn hat.

    Gesprächsbereitschaft bei gleichzeitig klar definierten Zielen und nicht zuletzt auch einer ganz eindeutigen Festlegung bezüglich dessen, was man keinesfalls mitzutragen bereit ist, ist das eine, Relativismus im Sinne von “es gibt kein richtig richtiges Richtig und kein richtig falsches Falsch” aber etwas ganz anderes. Wer keine Prinzipien hat, oder wer nicht bereit oder in der Lage ist, aus diesen Prinzipien eine in sich konsistente und halbwegs widerspruchsfreie Zielvorstellung zu entwickeln, wirkt -zumindest auf mich- weder besonders überzeugend noch gar vertrauenswürdig.

    Unter dieser Bedingung die Voraussetzung zur Norm zu erheben, die eigenen radikalen Lösungen ungeschmälert durchgesetzt zu bekommen, lässt sich mit der anderen Prämisse der gewaltlosen Konfliktlösung nicht vereinbaren oder – und das ist das Absurde an der Forderung – verdammt den eigenen Anspruch selbst zur Wirkungslosigkeit.

    Das ist doch den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht: Bislang gibt es ja gar niemanden, der diese radikalen Lösungen überhaupt -auf einer grösseren Bühne- gefordert hat, ausser Ron Paul. Also weiss auch niemand, ob und in welchem Umfang man dafür ein Mandat bekäme, also wieso in aller Welt sollte man jetzt von solchen Forderungen abrücken, wieso wird jetzt gar behauptet, schon allein das Aufstellen solcher Forderungen schade dem Liberalismus insgesamt? Vor allem dann, wenn an vielen Ecken und Enden doch vielmehr der Eindruck entsteht, es wäre genau diese klare Ansage, die nicht wenige Menschen bislang vermisst haben, und die einen bislang nie dagewesenen Level an Zuspruch erreicht?

    Aber nein, anstatt das anzuerkennen und zu versuchen, diese überaus erfreuliche Resonanz zu nutzen, um das von Dir beschriebene “alltägliche Anbohren solcher Bretter” leichter zu machen und vielleicht sogar das eine oder andere Brett in Angriff zu nehmen, was bislang zu dick für das vorhandene Werkzeug erschien (Weinmarktordnung schön und gut, aber das ist wahrlich nicht das dringendste aller Probleme), werden diejenigen attackiert, die sich dafür engagieren, werden -und das ist besonders ärgerlich- einfach so und ohne den geringsten Anlass unlautere Motive, geistige Verwirrung oder gar verkappter Sozialismus(!) unterstellt. Und wenn die so unter der Gürtellinie Angegriffenen daraufhin etwas angesäuert reagieren, wird das als “Beweis” dafür gewertet, dass es sich um “Fanatiker” handelt. Hältst Du so was wirklich für zielführend?

    // drchaos // 2007-12-25 22:35 //
  10. drchaos,

    ich weiß nicht, ob ich jemanden, der ein klares und endgültiges Ziel vor Augen hat, bewundern oder bemitleiden soll. Ich brauche, um von Karlsruhe nach München zu fahren, keinen Glauben, wo denn die letzte Station all meiner Reisen sein wird.

    Wenn Restriktionen vorhanden sind, dann ist ihr Einbezug in das eigene Vorgehen kein “vorauseilender Kompromiss”, sondern die einzige Möglichkeit zum Weiterkommen. Einen Maßstab braucht man. Aber der kann und muss nicht in einem fest umrissenen Endziel bestehen.

    Wenn du den Vorsichtigen nicht vertraust, ist das dein Problem. Mir geht es so mit Demagogen, die mir einfache Lösungen verkaufen wollen. Wenn es danach ginge, was “nicht wenige Menschen bislang vermisst haben”, dann müsste ich auch die klare Ansage der NPD, wie mit Ausländern in diesem Land umzugehen sei, gut finden. Wer sich aber einen gewissen ethischen und intellektuellen Anspruch bewahrt hat, der verarscht die Leute (und vielleicht sich selbst?) nicht mit solchen plakativen Scheinlösungen.

    Auf deinen letzten Ansatz einzugehen, ist schwierig, weil wir schon eine sehr unterschiedliche Sicht auf das haben. Dass immer die anderen schuld sind und man selbst sich ja nur gegen ungerechtfertigte Vorwürfe verteidigt, ist ja in solchen Diskussionen trivial. Außerdem tust du das, was du oben Achim vorgeworfen hast: Du kehrst wieder zur Ron-Paul-Diskussion zurück.

    Aber wenn weitere Kommentare hierzu überhaupt noch einen Sinn haben sollen, bitte ich zur Kenntnis zu nehmen, dass es mir nicht um einzelne Personen geht (so unvorteilhaft auch das Bild ist, dass ich von manchem da gewonnen habe), sondern um das, was sie machen und wie sie diskutieren. Und wenn ich da beobachte, wie gewisse Führer und ihr Programm geradezu verklärt werden, und wie man auf Kritik daran reagiert, nämlich nicht in der Sache, sondern mit dem Herbeizitieren quasi-heiliger Schriften und Angriffen auf die Kritiker, dann fallen mir einfach zu viele Parallelen mit politischen Sektierern verschiedener Couleur auf.

    // Rayson // 2007-12-26 01:44 //
  11. “Where are the Paines and Cobdens and Nocks of today? Why are almost all of our laissez-faire limited governmentalists plonky conservatives and patriots? If the opposite of “radical” is “conservative,” where are our radical laissez-fairists? If our limited statists were truly radical, there would be virtually no splits between us. What divides the movement now, the true division, is not anarchist vs. minarchist, but radical vs. conservative. Lord, give us radicals, be they anarchists or no.”

    http://www.lewrockwell.com/rothbard/rothbard75.html

    // DDH // 2007-12-29 21:02 //
  12. Hallo Rayson,

    ich weiß nicht, ob ich jemanden, der ein klares und endgültiges Ziel vor Augen hat, bewundern oder bemitleiden soll. Ich brauche, um von Karlsruhe nach München zu fahren, keinen Glauben, wo denn die letzte Station all meiner Reisen sein wird.

    Aber bevor ich Dir das Steuer meines Wagens überlasse (und nichts anderes ist Politik) würde ich schon gerne wissen, wo wir am Ende rauskommen. Das hat nix mit persönlichen Zielen zu tun – aber die Fälle, wo z.B. mit “Merkelsteuer verhindern” Wahlwerbung gemacht und dann später anstelle von 12,5% sogar 18% Steuererhöhung herausgekommen ist, sind doch allgemein bekannt. Und das kann es ja wohl nicht sein; wenn man denn überhaupt aus pragmatischen Gründen und trotz der wohlbekannten Bedenken dagegen (die ich zu einem nicht geringen Grad teile, nur sieht es halt nicht so aus dass ohne dies irgendwas voranginge) eine Beteiligung am politischen System in Erwägung ziehen will, so kann das doch nur unter der Bedingung funktionieren, dass die gewählten Vertreter später auch das vertreten, wofür sie gewählt worden sind, und nicht ganz andere Ziele.

    Das funktioniert aber nur, wenn erstmal ein in sich geschlossener, widerspruchsfreier Ansatz vorhanden ist. Denn ohne diesen Ansatz kann man doch überhaupt nicht vorhersagen, wie bzw. anhand welcher Kriterien sich ein Repräsentant in einer bestimmten Frage verhalten wird; genau dann kommt man doch zu dem von Dir kritisierten “Führerglauben”, bei dem nur noch der Glaube daran zählt, dass “da oben” ein kluger Mann sitzt, der die Sache schon richten wird.

    Wenn Restriktionen vorhanden sind, dann ist ihr Einbezug in das eigene Vorgehen kein “vorauseilender Kompromiss”, sondern die einzige Möglichkeit zum Weiterkommen. Einen Maßstab braucht man. Aber der kann und muss nicht in einem fest umrissenen Endziel bestehen.

    Es gibt da aber einen Unterschied zwischen tatsächlichen und künstlichen Restriktionen. Erstere sind Ausfluss von höherstehenden Prinzipien (z.B. dem (Selbst-)Eigentum, das mir den grössten Teil der üblichen politischen “Gestaltungsmöglichkeiten” verbietet), letztere basieren nur auf Papier”recht”, das bei Bedarf auch geändert werden kann – in der anderen, freiheitsfeindlichen Richtung passiert das schliesslich andauernd. Wenn es z.B. mein Ziel ist, die Mehrwertsteuer abzuschaffen, kann man entweder die EU-Verträge ändern, austreten oder das einfach trotzdem machen und gucken, was dann passiert (meine Prognose übrigens: nichts, aber das ist ein anderes Thema).

    Im Übrigen ist es mE eher die Frage, wie genau man das “Endziel” definiert und terminiert; eine Menge von denkbaren Idealzuständen ergibt sich mE nämlich schon automatisch aus dem oben erwähnten geschlossenen Ansatz, was aber nicht heisst das man exakt weiss wie der auszusehen hat oder wann (oder ob) er in vollem Umfang eintritt.

    Wenn du den Vorsichtigen nicht vertraust, ist das dein Problem. Mir geht es so mit Demagogen, die mir einfache Lösungen verkaufen wollen. Wenn es danach ginge, was “nicht wenige Menschen bislang vermisst haben”, dann müsste ich auch die klare Ansage der NPD, wie mit Ausländern in diesem Land umzugehen sei, gut finden. Wer sich aber einen gewissen ethischen und intellektuellen Anspruch bewahrt hat, der verarscht die Leute (und vielleicht sich selbst?) nicht mit solchen plakativen Scheinlösungen.

    Das Problem mit “Lösungen” im NPD-Stil ist doch nicht, dass sie einfach sind, sondern dass sie falsch sind, genauso wie es auch dann nicht richtig wäre, Ausländer einfach so wegzusperren, wenn das nach einem ganz komplizierten, ausgeklügelten Quotensystem erfolgen würde. Natürlich kann man es sich auch zu einfach machen (z.B. indem man sagt, “wir schaffen den Staat zum 1.5.2008 ab”, aber keinerlei Überlegungen anstellt, wie das halbwegs geordnet passieren soll), aber das heisst noch lange nicht, dass eine klare Linie deswegen generell von Übel wäre, im Gegenteil: Komplexität führt zu einem hohen Risiko, unerwünschte Nebenwirkungen zu erzeugen, man denke da nur an die zahlreichen Gesundheitsreformen, die allesamt nur dazu geführt haben dass alles noch teurer und bürokratischer wird, obwohl der Grundgedanke, Geld einzusparen, am Anfang vielleicht beim einen oder anderen durchaus vorhanden war.

    Und wenn ich da beobachte, wie gewisse Führer und ihr Programm geradezu verklärt werden, und wie man auf Kritik daran reagiert, nämlich nicht in der Sache, sondern mit dem Herbeizitieren quasi-heiliger Schriften und Angriffen auf die Kritiker, dann fallen mir einfach zu viele Parallelen mit politischen Sektierern verschiedener Couleur auf

    Davon fühle ich mich ehrlich gesagt nicht so ganz angesprochen, zumal ich mich selbst noch nicht mal als übermäßig engagierten Ron-Paul-Fan bezeichnen würde (geschweige denn dass ich mit “heiligen Schriften” oder ähnlichem argumentiert hätte). Natürlich kann man das Programm kritisieren, und wenn das in Form konkreter und halbwegs sachlicher Argumente passiert, kriegt man (welch Wunder!) sogar vernüftige und inhaltlich orientierte Diskussionen darüber zustande – mit einfältigen Stänkereien und reinen Ad-Hominem-Anwürfen sieht das allerdings ganz anders aus, da braucht man sich dann echt nicht zu wundern, wenn die so Angesprochenen angesäuert reagieren (das gilt selbstverständlich für beide Seiten).

    // drchaos // 2007-12-30 01:57 //
  13. hi…

    great…

    // rapidshare links // 2008-10-29 05:48 //

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