Nimm die blaue, Neo!

Mit dem “Neo” ist das ja so eine Sache. Die griechische Vorsilbe steht für “neu”, aber was neu ist, muss deswegen nicht unbedingt besser sein, das beste Beispiel sind Neo-Nazis, die stellen nicht nur intellektuell keinen Fortschritt gegenüber dem Vorbild dar, sondern bauen auch keine Autobahnen. Deswegen fällt auf solche Gestalten im Westen praktisch niemand rein, lediglich im Osten gibt es noch ein paar Leute, die nicht so genau wissen, wer die vielen neuen Kraftfahrstraßen tatsächlich bezahlt hat und die deswegen gewissen Parolen auf den Leim gehen.
Neo-Liberale existieren dagegen fast ausschliesslich in den Köpfen ihrer Gegner; in der Regel wird der Begriff synonym mit “jemand, der meine Privilegien in Frage stellt” verwendet. Aus Sicht eines Gewerkschaftsbonzen ist z.B. ein Konzernchef neoliberal, der als Gegenleistung für die zahlreichen Puffbesuche auf Firmenkosten Lohnzurückhaltung der durch besagten Bonzen vertretenen Arbeitern verlangt, denn wenn die Arbeiter eine geringere Lohnerhöhung bekämen, wären auch die Einnahmen der Gewerkschaft betroffen. Gleichzeitig kann aber auch der Gewerkschaftsbonze selbst ein Neoliberaler sein, nämlich dann, wenn er -zum Politikberater mutiert- Politiker dabei unterstützt, dem unterschichtigen Teil der Nettostaatsprofiteursklasse die Stütze zu kürzen. Und sogar die arbeitsscheue Unterschicht selbst könnte man mit Fug und Recht als neoliberal bezeichnen – vorausgesetzt, man ist Politiker und sieht aufgrund knapper Mittel Diäten und steuerfreie Aufwandsentschädigungen in Gefahr (das Ausbleiben entsprechender Bezichtungen beweist nur, dass bislang noch genügend Geld in der Kasse ist).
Aber ich schweife ab, eigentlich wollte ich von einer ganz anderen Spezies erzählen, nämlich den Neo-Libertären. Das neue am Neolibertarismus ist, dass man damit im Prinzip libertär sein kann, ohne lästige Prinzipien vertreten zu müssen, wenn sie einem persönlichen Steckenpferd im Wege stehen. Also z.B., wenn man sich aus frühkindlicher Erfahrung mit Spielen wie Cannonfodder eine Vorliebe für Angriffskriege bewahrt hat und von daher übermässiges Beharren auf Grundwerten wie dem Nichtaggressionsprinzip hoffnungslos altmodisch findet.
Oder wenn man, wie der Waldorf vom Antibuerokratieteam, zwar irgendwie schon Liberaladingensda sein möchte, andererseits aber aufgrund einer tiefempfundenen Liebe zu Wolfgang Tiefensee dessen von jedem vernünftigen Menschen (und sogar der Polizei(!)) als hemmungslose Abzocke bewerteten Bussgelderhöhungspläne nicht nur in Schutz nimmt, sondern sogar noch weitere Erhöhungen (und Haftstrafen für ein paar Gläser Wein!) fordert. Solche feuchten Träume eines motorisierungstechnisch offenbar zu kurz Gekommenen sind mit Sicherheit nicht libertär (Stichwort: opferloses “Verbrechen” und so), Neolibertäre dagegen sehen das scheinbar nicht so eng. Für mich ist das ja eher vergleichbar mit dem Versuch, Transvestiten als “Babe des Tages” zu verkaufen; zum Glück ist der Markt der Meinungen aber noch ein (halbwegs) freier, auf dem niemand gezwungen wird, fragwürdige Angebote anzunehmen.
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Ha, und ich dachte, dagny waere allein unzufrieden, mit dem antibuerokratiezuwachs…. immer der aerger mit den verwandten.
// dagny // 2007-10-02 00:16 // -
Hab dem Waldorf drüben auch noch ein paar sachliche Argumente reingeschrieben, bin mal gespannt ob sie das freischalten (bin ich eigentlich der einzige, der da bei jedem einzelnen Kommentar moderiert wird?).
// drchaos // 2007-10-02 00:36 // -
Entspannt bleiben chaotisches Doktorchen… Hasso mein Moderationsfilter ist manchmal etwas eigenwillig: beim A’Team fliegen nur zwei Kommentartrolle und ein Arschloch raus – und das grundsätzlich (Du siehst, auch Neolibertäre besitzen so etwas *g*). Ansonsten ist mein Buckel so breit, wie es das Presserecht und meine Fähigkeit Beleidigungen entgegenzunehmen erlauben. Kein Problem also mit Deinen Comments…
(wir haben alle im Moment nicht soviel Zeit, die Kommentare freizuschalten, kann also schon mal etwas länger dauern, sorry)
// jo@chim // 2007-10-02 06:53 // -
Ach so… Deswegen sind die bei mir nicht immer sofoert zu sehen.
// dagny // 2007-10-02 07:58 //
Ich dachte schon, mein Broweser ist schuld daran. -
Hallo jo@chim,
ach ihr moderiert alles, dann ist das verständlich. Hätte ich jetzt nicht erwartet, zumal das ganz schön viel Arbeit sein dürfte, oder nicht? Ist ja einiges mehr an Kommentaren als hier, wo nur alle paar Tage mal jemand was schreibt (die meisten kommen nur zum Gucken her :-))
Trackbacks scheinen allerdings nicht zu funktionieren, oder moderiert ihr die auch?
// drchaos // 2007-10-02 16:38 // -
Nein, nicht alles, nur die 30% die Hasso nicht durchlässt. Trackbacks müssten eigentlich funktionieren.
// jo@chim // 2007-10-03 15:26 // -
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