Oktober 2007
Lasset alle Hoffnung fahren – mit maximal 130 km/h
Feuchter Traum (nicht nur) von Ökonazis: Tempolimit, total und radikal. (Vorlage: Wikimedia Commons)Wenn irgendjemand wirklich noch einen Beweis dafür braucht, dass mit der Szene mehr als nur ein wenig im Argen liegt, dann ist der spätestens damit damit erbracht, dass sich heute gleich zwei an und für sich liberale Blogs doch allen Ernstes für ein Tempolimit auf Autobahnen aussprechen:
Man muss sich das wirklich mal vorstellen: Da gibt es doch tatsächlich in der überregulierten Bürokratenhölle namens “BRD” noch einen einzigen, winzig kleinen und auf ganz wenige Strecken beschränkten Freiraum, innerhalb dessen man wenigstens eine eigenverantwortliche Entscheidung über die gefahrene Geschwindigkeit treffen kann – doch anstatt zumindest diesen mit Zähnen und Klauen zu verteidigen, klatschen “Liberale” Beifall, wenn die notorischen Spaßbremsen der SPD im Gleichschritt mit der Ökonazibewegung die Stiefel schnüren, mit deren Absätzen sie dieses allerletzte, zarte Pflänzchen der Freiheit auch noch zu zertrampeln gedenken.
Und die “Argumente” dafür sind an Dämlichkeit kaum zu überbieten: Tempo 120 wäre ja sowieso viel entspannter (ich will mich nicht entspannen, sondern ankommen), man könne wegen dem vielen Verkehr sowieso kaum schneller fahren (verbieten wir Kaviar! Den kann sich eh keiner leisten), Schweizer wären mit der hohen Geschwindigkeit überfordert (mag sein, aber warum sollte mich das interessieren?) und als Krönung: Freie Fahrt seie freiheitszerstörend(!), ein Tempolimit dagegen wäre die höchste Form der individuellen Befreiung (klar, genauso wie knackig hohe Steuern einen von der lästigen Pflicht befreien, das ganze Geld selbst unter die Leute zu bringen). Lediglich langsam fahren zu dürfen, reicht nicht aus, wichtig ist dass die anderen langsam fahren müssen.
Bei solch hochgeistigen Ergüssen hofft man unwillkürlich, dass in Gummersbach lediglich irgendwas mit dem Essen nicht gestimmt hat und die Betroffenen alsbald vollständig genesen werden. Ansonsten muss man für die Zukunft wohl befürchten, dass in Teilen der Szene demnächst auch noch die Handwerksordnung, Rauchverbote, CO2-Zertifikate oder gesetzliche Mindestlöhne als Errungenschaften des Liberalismus gefeiert werden, nach dem Motto: Was die FDP noch nicht hingekriegt hat (nämlich das allerletzte Quentchen Sinn aus dem Begriff “Liberalismus” zu kratzen und ihn bis zum Rand mit obrigkeitsstaatlichem Geseiher neu zu befüllen), schaffen ein paar verirrte Blogger mit links.
Nachtrag: Wenigstens die FdoG halten dagegen. Muss man ja auch mal erwähnen.
Hausverbot bei Karstadt
Wohl eher nicht echt, aber lustig:
Sehr geehrte Frau Ressel,
in den letzten 6 Monaten sorgte Ihr Mann leider für einigen Aufruhr in unserem Warenhaus. Wir können dies nicht länger tolerieren und sehen uns gezwungen, Ihnen beiden künftig Hausverbot zu erteilen. Die soweit rekonstruierbaren Vorfälle haben wir nachstehend aufgelistet. Sie sind durch Aufzeichnungen von Überwachungskameras und die Aussagen unseres Personals belegt:
- 15. Februar: Nimmt 24 Schachteln Kondome aus dem Regal und verteilt sie wahllos auf die Einkaufswagen anderer Kunden.
- 2. März: Stellt die Alarme aller Wecker in der Uhrenabteilung so ein, dass es alle 5 Minuten klingelt.
- 7. März: Legt eine Tomatensaftspur bis zur Damentoilette.
- 19. März: Verstellt ein „Vorsicht – frisch gewischt!“-Schild in eine mit Teppich ausgelegte Abteilung.
- 4. April: Baut ein Zelt in der Campingabteilung auf und lädt andere Kunden ein, wenn sie Kissen und Decken aus der Bettenabteilung holen.
- 15. Mai: Als ihn ein Angestellter fragt, ob er ihm behilflich sein könne, beginnt er zu weinen und schluchzt: „Könnt ihr Leute mich denn nicht einfach in Frieden lassen?“
- 23. Mai: Starrt in eine Überwachungskamera und benutzt sie als Spiegel zum Nasebohren.
- 4. Juni: Hantiert in der Sportabteilung mit einem Wettkampf-Bogen und fragt den Angestellten, ob man im Haus Antidepressiva bekommt.
- 10. Juli: Schleicht durch die Abteilungen und summt dabei laut die „Mission Impossible“-Melodie.
- 3. August: Versteckt sich in einem Kleiderständer und ruft, wenn eine Kundin in die Nähe kommt, „Nimm mich! Nimm mich!“
- 6. August: Wirft sich bei jeder Lautsprecherdurchsage auf den Boden, nimmt eine fötale Haltung ein und ruft „OH NEIN! NICHT WIEDER DIESE STIMMEN!“
- 18. August: Begibt sich in eine Umkleidekabine, wartet eine Weile und ruft dann laut: „Hey! Hier ist das Klopapier alle“.
Hochachtungsvoll
Karstadt Warenhausverwaltung
stellvertretende Leitung Service und LogistikHochachtungsvoll,
Karstadt Warenhausverwaltung
Cooler Hack
Kein Monitor zur Hand? Gut, dann nehmen wir halt ein Soundfile und ein Oszilloskop, das sowieso gerade rumsteht:
Babe des Tages
Ja, ja, die Elena. Dass das Treppenhaus so nicht bleiben kann und wirklich dringend mal gemacht gehört, erzähl ich ihr ja nun schon seit Jahren. Und neulich ruft sie doch tatsächlich an und fragt mich, ob ich ihr damit ein wenig zur Hand gehen kann. Und weil ich ja im Grunde meines Herzens ein netter Kerl bin, hab ich zugesagt – doch was muss ich sehen, als ich dann in voller Arbeitsmontur mit Farbe und Pinsel dort aufgekreuzt bin? Exakt das, was ihr auch auf den Bildern sehen könnt. “Ich zieh nur noch kurz die Strümpfe aus, dann kann’s losgehen” hat sie noch gesagt.
Dass ich in so einer Situation nicht gerade das Malerwerkzeug auspacke, dürfte wohl auf der Hand liegen. Das Ende vom Lied: Die Wände sehen immer noch so aus wie sie schon immer aussahen, aber ansonsten war’s ein netter Abend, den sicher nicht bereue. Die Elli ist eben ein herzensgutes Mädel, der man echt nicht lange bös sein kann. Nur ausser zum Schönsehen ist sie halt zu nix zu gebrauchen.
Karrierechance…
…für durchsetzungsfähige, ausdauernde und nervenstarke Außendienstmitarbeiter auf der Suche nach einer krisenfesten Stellung mit außergewöhnlich guten Verdienstmöglichkeiten:
Ihre Aufgabe besteht darin, die Haushalte Ihres Gebiets zu kontrollieren. Bewerber mit einschlägiger Erfahrung im Bereich Schutzgelderpressung werden bevorzugt eingestellt.
Babe des Tages
Lang, wirklich lang ist es her, dass ich das letzte Babe geposted habe, und eigentlich war ich ja der Ansicht, mit dem fusker-o-rama, der inzwischen ganze 25 Fusker-Seiten aggregiert, gäbe es genug zum Gucken selbst für besonders anspruchsvolle Gemüter. Aber weil ich in letzter Zeit den Satz “schade, dass es die Babes nicht mehr gibt” definitiv zu oft zu hören bekam, fiel schliesslich der Entschluss, diese Kategorie ab sofort wiedereinzuführen.
Den Anfang macht für heute eine bezaubernde Blondine unbekannten Namens mit sprichwörtlichen Haaren bis zum A…h, von deren weiteren optischen Qualitäten man sich bei FuskerBytes oder in höherer Auflösung direkt bei Femjoy überzeugen kann. Brave Christenmenschen können in diesen Bildern die volle Herrlichkeit der göttlichen Schöpfung erkennen (was definitiv eine bessere Idee ist, als einfach nur dämlich herumzumotzen); Angehörige anderer Religionen, Atheisten und Agnostiker haben dagegen die Möglichkeit, das einfach nur so schön zu finden. Oder mit anderen Worten: Programm für die ganze Familie :-)
Free Burma (at last)
Upps, da sollte man doch heute das Bloggen für einen Tag einstellen, um gegen die fiesen Diktatoren in Burma zu protestieren, und was mach ich? Gleich zwei Einträge (drei mit dem hier), und das, obwohl ich sonst öfters mal ein paar Tage Pause mach…
Aber bevor jetzt jemand behauptet, ich wäre ein Anhänger von derartigem Gesindel:
Allerdings hab ich dann doch gewisse Zweifel, ob solche Arschlöcher sich wirklich davon beeindrucken lassen. Falls nicht, würde ich meinen Standpunkt zusätzlich gerne in einer Sprache formulieren, die weltweit von jedem verstanden wird, und bitte daher (ernsthaft!) jeden, der sich mit dem Thema näher auseinandergesetzt hat, um Infos dazu, wie man den Aufständischen bzw. denen, die diese mit Waffen versorgen, eine kleine Spende zukommen lassen kann. Falls jemand was weiss, bitte mailen!
Kammerboykott jetzt!
Ein hochinteressanter Link für alle selbständigen Unternehmer in der Leserschaft: Die AG Kammerboykott hat es sich zur Aufgabe gesetzt, organisierten Widerstand gegen die unsäglichen IHK-Zwangsgebühren auf die Beine zu stellen. Aktuell gibt es eine Liste mit 31 mutigen Unternehmern, die sich geschworen haben, keinesfalls Zahlungen an die IHK zu leisten und dafür notfalls sogar in den Knast zu gehen.
Auch wenn es zu der -medienwirksamen- Verknastung hochanständiger Leistungsträger vermutlich nicht kommen wird (ganz einfach weil das Verwaltungsvollzugsverfahren nicht so funktioniert), handelt es sich doch auf jeden Fall um ein sehr lobens- und empfehlenswertes Beispiel zivilen Widerstands, an dem sich zu beteiligen jeder Betroffene nachdrücklich aufgefordert wird; selbst wenn man nicht bereit dazu ist, ernsthaften Repressionen standzuhalten (das wäre zwar wünschenswert, ist aber nicht jedermanns Sache und hängt auch von der individuellen Situation ab), sollte man doch zumindest nicht in vorauseilendem Gehorsam, also ohne Mahnung/Vollstreckungsankündigung zahlen. Jede Verzögerung, jedes Querstellen, sei es auch noch so zaghaft und vorsichtig, ist ein Körnchen Sand im Getriebe und kann helfen, die Staats- und Repressionsmaschinerie in den Stillstand zu zwingen. Als Faustregel mag gelten: Jeder Euro, den man in Vollstreckungsgebühren “investiert”, schädigt die Gegenseite um ein Vielfaches.
In diesem Sinne: Es lebe die Revolution!
Nimm die blaue, Neo!

Mit dem “Neo” ist das ja so eine Sache. Die griechische Vorsilbe steht für “neu”, aber was neu ist, muss deswegen nicht unbedingt besser sein, das beste Beispiel sind Neo-Nazis, die stellen nicht nur intellektuell keinen Fortschritt gegenüber dem Vorbild dar, sondern bauen auch keine Autobahnen. Deswegen fällt auf solche Gestalten im Westen praktisch niemand rein, lediglich im Osten gibt es noch ein paar Leute, die nicht so genau wissen, wer die vielen neuen Kraftfahrstraßen tatsächlich bezahlt hat und die deswegen gewissen Parolen auf den Leim gehen.
Neo-Liberale existieren dagegen fast ausschliesslich in den Köpfen ihrer Gegner; in der Regel wird der Begriff synonym mit “jemand, der meine Privilegien in Frage stellt” verwendet. Aus Sicht eines Gewerkschaftsbonzen ist z.B. ein Konzernchef neoliberal, der als Gegenleistung für die zahlreichen Puffbesuche auf Firmenkosten Lohnzurückhaltung der durch besagten Bonzen vertretenen Arbeitern verlangt, denn wenn die Arbeiter eine geringere Lohnerhöhung bekämen, wären auch die Einnahmen der Gewerkschaft betroffen. Gleichzeitig kann aber auch der Gewerkschaftsbonze selbst ein Neoliberaler sein, nämlich dann, wenn er -zum Politikberater mutiert- Politiker dabei unterstützt, dem unterschichtigen Teil der Nettostaatsprofiteursklasse die Stütze zu kürzen. Und sogar die arbeitsscheue Unterschicht selbst könnte man mit Fug und Recht als neoliberal bezeichnen – vorausgesetzt, man ist Politiker und sieht aufgrund knapper Mittel Diäten und steuerfreie Aufwandsentschädigungen in Gefahr (das Ausbleiben entsprechender Bezichtungen beweist nur, dass bislang noch genügend Geld in der Kasse ist).
Aber ich schweife ab, eigentlich wollte ich von einer ganz anderen Spezies erzählen, nämlich den Neo-Libertären. Das neue am Neolibertarismus ist, dass man damit im Prinzip libertär sein kann, ohne lästige Prinzipien vertreten zu müssen, wenn sie einem persönlichen Steckenpferd im Wege stehen. Also z.B., wenn man sich aus frühkindlicher Erfahrung mit Spielen wie Cannonfodder eine Vorliebe für Angriffskriege bewahrt hat und von daher übermässiges Beharren auf Grundwerten wie dem Nichtaggressionsprinzip hoffnungslos altmodisch findet.
Oder wenn man, wie der Waldorf vom Antibuerokratieteam, zwar irgendwie schon Liberaladingensda sein möchte, andererseits aber aufgrund einer tiefempfundenen Liebe zu Wolfgang Tiefensee dessen von jedem vernünftigen Menschen (und sogar der Polizei(!)) als hemmungslose Abzocke bewerteten Bussgelderhöhungspläne nicht nur in Schutz nimmt, sondern sogar noch weitere Erhöhungen (und Haftstrafen für ein paar Gläser Wein!) fordert. Solche feuchten Träume eines motorisierungstechnisch offenbar zu kurz Gekommenen sind mit Sicherheit nicht libertär (Stichwort: opferloses “Verbrechen” und so), Neolibertäre dagegen sehen das scheinbar nicht so eng. Für mich ist das ja eher vergleichbar mit dem Versuch, Transvestiten als “Babe des Tages” zu verkaufen; zum Glück ist der Markt der Meinungen aber noch ein (halbwegs) freier, auf dem niemand gezwungen wird, fragwürdige Angebote anzunehmen.







