Freilaufender Schwerverbrecher
Sieht nicht aus wie Hitler, benimmt sich aber trotzdem so: Mahmud AhmadinedschadWenn es nur einen einzigen Punkt auf der Welt gibt, in dem George Bush, FDJ-Merkel und ich sich völlig einig sind, dann darüber, dass der Mann da rechts auf dem Bild ein extrem gefährlicher Spinner ist, der eine ernsthafte Bedrohung für seine nähere und weitere Umgebung darstellt. Immerhin ist er so ziemlich der einzige Diktator in der jüngeren Geschichte, der offen damit droht, ein (nicht ganz) benachbartes Land mit einer Atombombe auszulöschen.
Was würde passieren, wenn ich jetzt hinginge und androhte, sagen wir mal, Holland zu atomisieren (zum einen, weil die Holländer mit ihren Wohnmobilen ziemlich nerven auf der Autobahn, und zum anderen weil die Sache mit Rijkaard, dem Lama noch lange nicht ausgestanden ist)? Wenn ich noch dazu anfangen würde, mir ein munteres Sammelsurium an Anlagen und Vorrichtungen zuzulegen, das nach übereinstimmender Meinung von Experten mittelfristig durchaus geeignet ist, daraus die besagte Hollandbombe zu konstruieren? Von einer Einweisung in die Psychiatrie über einen spontanen Kurztrip nach Guantanamo Bay bis hin zum kommentarlosen Verschwinden unter ungeklärten Umständen sind da sicher verschiedene Szenarien denkbar, aber eines wird bestimmt nicht passieren: Dass man mich in die USA einreisen und nicht nur unbehelligt durch New York City spazieren lässt, sondern obendrein noch erhebliche Steuergelder ausgibt, um dafür zu sorgen, dass mir niemand auf die Pelle rückt.
Beim Ahmadinedschad, der neben gelegentlichen atomaren Erstschlagsdrohungen noch andere Nettigkeiten auf Lager hat, wie z.B. Folter und besonders barbarische Hinrichtungsmethoden, sieht die Sache dagegen anders aus, der darf im Gegensatz zu anderen, unpolitischen Massenmördern frei herumlaufen und sich obendrein noch als armes, unterdrücktes Opfer des bösen, bösen Weltjudentums darstellen (selbst wenn ihm das wohl niemand so recht abnimmt). Und niemand unternimmt auch nur einen Versuch, ihn unschädlich zu machen, oder ihn wenigstens vor ein ordentliches Gericht zu stellen (wenn man denn meint, dass es da viel zu verhandeln gäbe). Und gäbe es einen anständigen Menschen mit einer anständigen Waffe, der mit dem Drecksack kurzen Prozeß machen und vielen Menschen somit viel Leid und Zerstörung ersparen würde, man würde ihn höchstwahrscheinlich sogar verhaften und anklagen, anstatt ihm die verdiente Medaille anzustecken.
Wie kann das sein? Das Zauberwort lautet “diplomatische Immunität”; es bezeichnet ein Abkommen praktisch aller Regierungsverbrecher untereinander, sich gegenseitig zu verschonen und lediglich die Untertanen des jeweiligen Widersachers umbringen oder verletzen zu lassen. Man könnte auch sagen “eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus”. Denn egal wofür oder wogegen ein Politiker ansonsten so eintritt, egal welche Religion, Ideologie oder sonstigen Beweggründe er vor sich herträgt, in einem Punkt sind sich alle einig, und zwar in der absoluten Ablehnung der persönlichen Verantwortung, erst recht dann, wenn es um den eigenen Kragen geht. Deswegen sind in der ganzen Welt die grössten und schönsten Bunker für die Staatsoberhäupter reserviert, werden die aufwändigsten und teuersten Sicherheitsmassnahmen für feige Schreibtischtäter arrangiert, die mit den tapferen Feldherren der Antike, die immerhin an der Spitze ihres Heeres in die Schlacht zogen, nichts, aber auch gar nichts gemein haben.
Es mag noch ein paar Monate oder vielleicht sogar Jahre dauern, aber die Chancen stehen gut dass es irgendwann zu einem Krieg gegen den Iran kommt. Der wird auf beiden Seiten viele tausend Tote und Verletzte fordern; hunderttausende werden ihr gesamtes Hab und Gut und Millionen Menschen zumindest einen Teil ihres Vermögens verlieren (denn der Krieg wird natürlich mit Raubsteuern finanziert). Da ist es doch beruhigend zu wissen, dass wenigstens die dafür tatsächlich Verantwortlichen dank der diplomatischen Immunität ungeschoren davonkommen werden, oder?
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Naja, es gibt ja auch Beispiele dafür, dass Verantwortliche doch gescholten werden von ihren Kollegen: siehe Hussein oder Milošević. Gut, der MC Laden ist bestimmt noch am Leben und wird schön gepflegt, aber nur, weil er als Rechtfertigungsgrund fürs Untenbleiben Sinn macht.
Mit dem Ahmadinedschad ist meiner Meinung nach die Sache gar nicht so schlecht bestellt. Rein objektiv lässt er den bäuerlichen totalitären Freak raus, den man einfach nur beseitigen muss. Nicht nur viele Iraner schämen sich aber für ihn, auch alle Politiker der Welt sicher selbst auch. Liefert er doch die Erkenntnisse die man als Kollege vermeiden will und die von Vielen der BürgerInnen und Bürgern offenbar immer noch nicht erkannt werden, die er seinen Kollegen und allen auf der Welt absichtlich aufzeigt: Schaut alle her, so schmutzig ist das Geschäft Politik. Für diese aktuellen, massiven, Erkenntnisse, müssten doch eigentlich alle Eingeborenen dankbar sein um zu sagen, NIE WIEDER POLITIKER. Wo bleibt dann der Krieg gegen die Regierungen? Ist aber auch wieder Krieg!
// matze // 2007-09-27 10:10 //



