Peinlichkeiten des Tages

Heute schon blamiert? Irgendwann passiert ja jedem mal etwas Peinliches, meine persönliche Lieblingsstory ist dabei die von dem Kollegen, der nach einem ausgiebigen morgendlichen Toilettenbesuch einen ca. 30 cm langen Streifen Papier übersah, der sich irgendwie in der Hose verklemmt haben musste und nun wie ein Schwanz hinten aus dem Sakko heraushing – ein Bild für die Götter, das einem den ganzen Tag ein Grinsen ins Gesicht zwingt, leider gibt es kein Foto davon.
Nicht weniger blamabel ist das, was Ex-web.de-Chef Michael Greve heute mitteilen musste: Die nach dem Verkauf an United Internet unter “Combots” firmierende Gesellschaft hat nämlich über 35 Mio. Euro für die Entwicklung einer Messenger-Software ausgegeben, die offenbar überhaupt niemand nutzen will – weswegen man jetzt, nach über drei Jahren ohne nennenswerte Umsätze, die Reißleine zog. Ganz so schlimm ist das aber auch nicht, immerhin bleiben Greve aus dem damaligen Kaufpreis noch ca. 500 Mio. Euro übrig, mit denen er weitere innovative Konzepte verfolgen kann, zumindest für ein paar nette Poster sollte es aber auf jeden Fall noch reichen.
Den Vogel schiesst allerdings Henning Kagermann ab, der in einem Interview mit dem Berliner Tagesspiegel unmißverständlich klarmacht, dass man auch als SAP-Vorstandsvorsitzender und promovierter Physiker dummes Zeug erzählen kann, für das sich selbst der letzte Hilfsinformatiker aus der zweiwöchigen Umschulung vom Arbeitsamt in Grund und Boden schämen würde. Kagermann glaubt an die Zahnfee, an Effizienzvorteile zentraler Verwaltungsorganisationen (die ja bekanntlich schon in der Sowjetunion und der DDR zu unermesslichem Reichtum und Wohlstand geführt haben) und an eine Behörde, die sich “nach getaner Arbeit auflöst und nicht zum Selbstzweck wird”. Sektsteuer, ick hör dir trapsen. Erst recht grotesk wird es, wenn Kagermann einerseits altbekannte Politpropaganda zum Bundestrojaner widerkäut (“halte die potenziellen Bedrohungen für groß genug, dass ich meine Persönlichkeitsrechte ein wenig zurückstellen würde”) und andererseits aber argumentiert, das sei ja alles gar kein Problem, “weil es leistungsfähige Verschlüsselungstechniken gibt”, mit denen sich Firmen vor Industriespionen (den Hauptnutznießern behördlich geförderter Sicherheitslücken) schützen könnten. Oder Terroristen vor staatlicher Schnüffelei, was den praktischen Nutzen der amtlichen Schadsoftware wieder zurück auf Combots-Niveau brächte.
Immerhin dürfte Kagermann auf den gemütlichen “IT-Gipfeln” des “Innovationsrates” von Ex-FDJ-Dummschranze und Steuererhöhungsweltmeisterin Merkel dafür gesorgt haben, dass SAP -ganz im Gegensatz zu Combots- über den Umweg der neuen Behörde ein üppiges Säckchen Raubgeld als Umsatz nach Hause tragen darf. Das hilft ihm sicherlich auch dabei, den Kurs der SAP-Aktie bis 2010 zu verdoppeln und somit seine an dieses Ziel geknüpften Aktienoptionen realisieren zu können. Wenn man schon als Depp dastehen muss, dann doch lieber als gut bezahlter.



