Gegen den Überwachungsstaat
Gefunden beim Pantoffelpunk. Und natürlich hat er Recht, denn egal ob es um ein eitriges Furunkel geht oder -wie in meinem Fall- um ein Gemächt, dessen Grösse zumindest jungen Mädels Angst einflössen würde, wenn sie es denn vor dem Akt im Hellen erblickten: Nicht jede(r) muss immer gleich alles über einen wissen.
Wobei ich ja schon ein wenig den Eindruck habe, dass solche Kampagnen pro Privatsphäre ungefähr so nützlich sind wie Fernsehwerbung für Freibier, denn das Problem ist ja nicht die fehlende Nachfrage, sondern die Abwesenheit von Gegenwehr. Als vor 20 Jahren die damalige Volkszählung (die aus heutiger Sicht reichlich harmlos erscheint) grosses Thema war, waren es nicht unbedingt mehr Leute, die dagegen waren (die überwiegende Mehrheit füllte letztendlich treubrav die Bögen aus), aber die, die dagegen waren, waren in wesentlich höherem Masse zum offenen Widerstand bereit als heutzutage, wo in vorauseilendem Gehorsam Foren zensiert und selbst private Weblogs mit Impressen und sonstigen Disclaimern zugepflastert werden (obwohl nicht mal sicher ist, ob es überhaupt eine Impressumspflicht gibt).
Wäre 1987 ein Innenminister Zimmermann auf die Idee gekommen, ganz Deutschland mit Überwachungskameras zuzupflastern, die die Menschen auf Schritt und Tritt überwachen, die Gesichter und Autokennzeichen automatisch erkennen und mit den Daten Bewegungsprofile erstellen, so hätte man ohne Zweifel mit ein paar Zwillen aus den Dingern Mus gemacht, und zwar so schnell, dass die Stasi(West) und ihre Helfershelfer nicht mehr mit dem Reparieren nachgekommen wären. Wenn -wie gesagt, lediglich 20 Jahre später- nicht nur das bereits Realität ist, sondern darüber hinaus alle Kommunikationsdaten aller Bürger für unbestimmte Zeitangeblich erstmal nur 6 Monate gespeichert werden sollen, selbst subalterne Beamte nur auf einen Knopf drücken müssen, um sich beliebige Kontendaten willkürlich herausgegriffener Bürger anzusehen, wenn Hausdurchsuchungen und Telefonüberwachungen die Ermittlungsbehörde nur ein Formblatt kosten, das von einem willfährig kollaborierenden “Richter” ohne nähere Betrachtung abgezeichnet wird und ein Innenminister Schäuble darüberhinaus davon phantasiert, nach Lust und Laune über das Internet in private PCs einzubrechen und dort auf den Festplatten herumzuschnüffeln, und die Antwort darauf nur aus ein paar maulige Blogeinträge (so wie dieser hier, zugegeben) und ein paar halbherzigen Versuchen, mit “rechtsstaatlichen” Mitteln dagegen vorzugehen, besteht, wird einem unmittelbar klar, dass der Krieg so niemals gewonnen werden kann.
Wer wirklich etwas gegen Überwachung und staatliche Kontrolle unternehmen will, sollte
- Bargeschäfte bevorzugen, am Besten auf schwer kontrollierbaren Märkten (z.B. Flohmarkt)
- Schwarzarbeiter beauftragen, selbst schwarz arbeiten oder Waren und Dienstleistungen tauschen, anstatt Geld zu bezahlen (das spart nicht nur Geld, sondern entzieht dem Überwachungsstaat obendrein Mittel)
- Überwachungseinrichtungen zerstören oder unbrauchbar machen (z.B. mit Zwille, Sprühdose)
- anderen helfen, anonym zu bleiben: Einen Tor-Node betreiben, sich an Entwicklung/Test/Dokumentation freier Verschlüsselungssoftware beteiligen, Freunde/Bekannte über diese Werkzeuge aufklären, ggf. auch bei der Installation/Nutzung helfen
- anderen Vorbild sein: kein Impressum ins Blog, keine Zusammenarbeit mit besonders eifrigen Kollaborateuren (z.B. Ebay, Yahoo), nicht an Massengentests usw. teilnehmen
- (elektronisch) zurückschlagen: Private und geheime Daten von Politikern, Behörden usw. gehören ins Web! (es soll ja Fälle geben, wo ein kräftiger Schluck der eigenen Medizin zur Erleuchtung führt)
- (Hier könnte Dein persönlicher Vorschlag stehen. Nutze die Kommentarfunktion!)
Klar, alles das ist mühsam, manches ist illegal (oh Schreck!), erfordert das Verlassen der Wohnung oder ist vielleicht sogar ein bißchen gefährlich. Dafür besteht die Chance, dass es hilft. Oder, wie jeder Mediziner weiss: Medikamente ohne Nebenwirkungen haben auch keine Hauptwirkung.
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Schreib doch darüber mal was bei den eifrei-Leuten. Die eifrei ist per verschluesselten mails leider (noch) nicht zu erreichen….
Mein Tipp wäre etwa: Prepaidhandy bar bezahlen (keine Ahung, ob das in D. ohne registrierung geht, im UK schon)
Skype ist auch anonym und die Skype-Daten werden nicht zentral erfasst.
// dagny // 2007-06-17 09:58 // -
Was den Artikel angeht: Klasse Idee, hab den Vorschlag gleich mal an die Chefredaktion weitergeleitet. An mir soll’s nicht hängen.
Zum Thema “Skype” siehe diesen Blogeintrag – ich würde die Finger davon lassen, zumal quelloffene Alternativen existieren.
// drchaos // 2007-06-17 23:51 // -
skype…. hmm.. habs gelesen. ist nur leider schon wieder der standard, wenn ich mich im freundeskreis umsehe…..
// dagny // 2007-06-18 11:27 // -
Dagny hat aber noch ein paar Ideen (Umsetzung soll nicht die Frage sein).
Muesste nicht angesichts von Flatrate eine Massive erhoehung des Datenvolumens um Spam, Muell und “white nois” das mitschneiden der eigenen Kommunikation zur Sysiphusarbeit machen? Sprich alle nasen lang emails, verschluesselt versteht sich, verschicken, die “white nois” zum inhalt haben. die empfaenger lassen eine decryptroutine laufen und dann einen Spam-filter hinterher. fuer den Mitlesenden sollte der Spam als solcher nicht erkennbar sein, er muss auf Verdacht alles entschluesseln.
Wechselnde Codes (taeglich) muessten auch implementiert werden….
Das ganze verschickt man per zufallsgenerator* verteilt ans eigene adressbuch – echte nachrichten werden dann in dem ‘white nois” versteckt.
*der zufallsgenerator muss eine Wahrscheinlichkeitsverteilung verwenden. die an normales Kommunikationsverhalten erinnert. muesste man mal eine Statistik bemuehen, vielleicht laesst es sich auf eine Poisson-verteilung reduzieren, parametrisiert mit dem freundesgrad. Die Freunde brauchen auch so ein tool, das dann eine Auto-replay uebernimmt.
// dagny // 2007-06-18 11:39 // -
Werde ich überwacht?…
Deutschland wandelt sich immer mehr zum Überwachungsstaat. Okay, eigentlich soll der Terror bekämpft werden, aber immerhin könnte jeder von uns "braven" Bürgern ein Sympathisant oder gar ein Schläfer sein. Von daher ist eine genaue Über…
// Verstand in Gefahr?! // 2007-06-19 08:44 // -
@Dagny: Für Webtraffic und Firefox-Nutzer gibt’s so etwas schon:
TrackMeNotBei den heutigen Breitbandanschlüssen tut das bißchen Traffic im Hintergrund auch nicht mehr wirklich weh (Flatrate vorausgesetzt).
// ChrisM // 2007-06-21 22:15 // -
@Chris
Danke. Ich seh es mir sofort an.
Zum Thema: Was um alles in der Welt bewegt jemanden dazu, seine WUNSCHBUECHER bei Amazon unter KLARNAMEN einzustellen?
….ob ich mich mit einer Dame treffen soll, die Buecher mit Diattips auf der Wunschliste hat????????
(die anderen Buecher in Kombination mit dem was ich bereits weiss, lassen den Schluss zu, dass es sich um die person handelt, die ich kennengelernt habe. Zumal es ein nicht-allerweltsname ist…..)
Kopfschuettel
// dagny // 2007-06-22 13:24 //




