Vorankündigungen
Es gibt Fürze, die kündigen eine gewaltige Ladung Scheisse an, so gewaltig, dass man alles stehen und liegen lässt, um unverzüglich das nächste WC anzusteuern, weil man aus Erfahrung weiss, dass in so einem Fall kein Aufschub möglich, nicht die geringste Verzögerung tolerierbar ist. So etwas ist das behördliche Äquivalent dazu, denn wie man aus vielen Fällen weiss, breitet sich unmittelbar nach dem charakteristischen Furzgeräusch (Erwähnung des Themas Kinderpornographie in den Medien) ein übler Gestank (eine neuerliche Einschränkung von Grundrechten) im Zimmer aus, gleichzeitig weiss man aber genau, dass die richtige Sauerei erst noch bevorsteht.
Es wäre nämlich naiv zu glauben, dass mit dem wahllosen Durchforsten der Daten von 22 Millionen Kreditkartenbesitzern nach Zahlungen in Höhe von 79,99 $ (ein “ungewöhnlicher Betrag”, der im Web lediglich ca. 250 Mio.(!) mal vorkommt) auf einen bestimmten Merchant Account sowie den anschliessenden Hausdurchsuchungen bereits der Gipfel erreicht wäre, auch wenn davon wieder mal viele Unbeteiligte betroffen sein dürften, denn gerade im Erotikbereich ist es üblich, ein Abrechnungskonto über Zwischengesellschaften zwecks Kostensenkung unter vielen Anbietern aufzuteilen, und dass ausgerechnet ein Anbieter von Kinderpornographie, der wohl kaum damit rechnen kann, dass sein Angebot allzu lange unbehelligt existiert, sich um einen relativ teuren, exklusiven Abrechnungsvertrag bemüht, ist schliesslich auch nicht gerade einsichtig.
Tatsächlich dürfte das eher den Anfangspunkt für einen weiteren, umfassenden Abbau der Privatsphäre markieren, denn was zur angeblichen Bekämpfung von “Kindesmissbrauch” recht ist, wird für andere Tatbestände nur billig sein; vermutlich wird man demnächst einen verhinderten Terroranschlag mit Hilfe von Kontenrasterfahndung präsentieren, und spätestens dann ist die Bevölkerung so weit an die neue Eingriffsdimension gewöhnt, dass man sie ins Standardrepertoire aufnehmen kann. Selbstverständlich ohne richterliche Genehmigung, denn bekanntlich fällt der Abbau bürokratischer Hemmnisse besonders dann nicht schwer, wenn diese zur Wahrung von Grundrechten gedacht sind.
Für die nächste Zeit ist daher wohl mit noch mehr Gestank zu rechnen, jedenfalls so lange, bis sich endlich genügend aufrechte Menschen bereitfinden, den Abzug zu betätigen und das schnüffelnde und spionierende Gesindel da hinzubefördern, wo es hingehört.
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zu allen zeiten sprangen die herrschenden mit untertanen so um. mit freien bürgern geht so etwas nicht.
spekulatzius: was wäre gewesen wenn ein keditkartenabrechnungsdienstleister sich geweigert hätte an der schnüffelaktion gegen seine kunden sich zu beteiligen?
erinnert sei nur an den aufschrei und aufmarsch der massen als das bankgeheimnis fiel.
anscheinend liebt der großtei der deutschen den geruch von behördlicher scheiße.
// tewe006 // 2007-01-12 08:27 //



