Es lebe die Revolution

Wenn man eine 26-jährige ver.di-Tante trifft, die sich selbst als trotzkistisch bezeichnet, Mitglied der WASG ist und die Politik von SPD und PDS “neoliberal” findet, kann man sich schnell ein paar sozial engagiert klingende Sprüche zurechtlegen, und gemäss der alten Regel “dumm fickt gut” auf eine anregende Abendgestaltung zu zweit hoffen. Lucy Redler wäre dafür rein optisch betrachtet gar nicht mal die schlechteste Wahl, und bei dem, was Madame Sozialpädagogentochter so alles von sich gibt, dürfte das vermutlich die beste Nacht des Lebens werden, sollte in der oben zitierten Regel auch nur ein Körnchen Wahrheit stecken.

Vorher sollte man aber mindestens eine Doppelpackung Oropax kaufen, denn Lucy fängt da an, wo andere vor lauter Kopfschmerzen schon lange aufgehört haben:

Ich stelle mir eine Gesellschaft vor, die nichts zu tun hat mit dem, was es in der Sowjetunion und der DDR gegeben hat, mit dem also, was ich als Stalinismus bezeichnen würde. Ich stelle mir eine Gesellschaft vor, die frei ist von Armut, von Arbeitslosigkeit, von Rassismus, frei von den ganzen Spaltungsmechanismen, die es im Kapitalismus gibt.

Mit 14 glauben viele Mädchen an Traumprinzen und platonische Liebe, mit 26 manche noch immer an Sozialutopien und den Weihnachtsmann…

Sie beide hätten eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, wären gut gelaunte Kollegen und würden in einem Kleidungsgeschäft bei gut gelaunten Verkäuferinnen einkaufen, weil diese Verkäuferinnen deutlich weniger in der Woche arbeiten, einen besseren Lohn bekommen, genaue Einsicht darin haben, wie der Betrieb läuft, und mitbestimmen können.

Würde man den Staat abschaffen, müsste man -um den gleichen Betrag zu erwirtschaften- sogar deutlich weniger als 20 Stunden in der Woche arbeiten gehen (bei einer Staatsquote von weit über 50%). Aber das meint Frau Redler nicht:

Selbst wenn ich am 18. September ins Abgeordnetenhaus komme, werde ich H & M deshalb nicht vergesellschaften können. Leider. Würde ich gerne.

Geile Idee, Stringtangas gratis für alle, zumindest solange bis die Lager leer sind. Und wenn wir die Bäckereien gleich mitverstaatlichen, passen die demnächst auch den adipösesten Mitbürgerinnen.

Ich glaube, dass es schon darum geht, mindestens die Schlüsselindustrien zu vergesellschaften und sie unter demokratische Kontrolle zu stellen. Es geht nicht darum, ein kleines Stück vom Kuchen zu bekommen, sondern es geht darum zu entscheiden, mit welchen Zutaten wird der Kuchen hergestellt, wo wird er verkauft, zu welchem Preis, und ist er gesundheitsfördernd.

Gesundheitsfördernder Staatskuchen – lecker! Und alle essen den freiwillig:

Ich glaube, dass es in einer sozialistischen Gesellschaft so viele hervorragende, preisgünstige Restaurants geben würde, wo das Essen total gesundheitsfördernd ist, dass die Menschen nicht mehr so wild darauf wären, zu McDonald’s zu gehen.

So richtig sozial und gerecht ist das aber nicht, denn die armen McDonalds-Angestellten haben doch auch ein Recht darauf, dass ihre Produkte gegessen werden…
Zumindest sollte der Staat die dann subventionieren.

Ich verstehe Sozialismus nicht als Zwang oder als Einschränkung, wo es nur eine Produktpalette gibt, wo alles total grau aussieht und nicht schmeckt.

Ob sie schon mal mit jemandem geredet hat, der vom echten Sozialismus kosten durfte?

Ich verstehe Sozialismus als Bereicherung.

Da bleib ich gerne arm.

Wenn alle entscheiden könnten, dann würden alle schön bei Bio-Geschäften einkaufen. Die meisten Leute mit Hartz IV oder einem Durchschnittslohn haben dazu überhaupt nicht die Möglichkeit. Sie haben nur die Wahl zwischen Aldi und Lidl.

Im realen Sozialismus gab es weder Aldi noch Lidl noch Bioläden. Aber nicht weitersagen…

Ich denke, ein großes Problem ist, wie viel die [Gewerkschaftsführer und Politiker] verdienen. Viele von denen sind doch mit ihrem Verdienst näher an der Manageretage dran als an den Beschäftigten, die sie vertreten sollen. Deshalb sollten auch Politiker, die im Bundestag sitzen, nicht mehr verdienen als ein normaler Facharbeiter.

Typisch Sozialismus: Jeder bekommt das Gleiche, die individuelle Leistung zählt nichts, und die Facharbeiter sind wieder mal die Dummen. Ich bin für eine an der Wertschöpfung orientierte Bezahlung: Politiker verdienen prinzipiell gar nichts, ausser vielleicht eine Tracht Prügel.

3 Kommentare »
  1. endlich verstehe ich den ersten absatz: ich habe ein bild der hardcore kommunistin in der welt gesehen. jetzt verstehe ich eure geilheit ;-)
    da mama und papa pauker sind, muß das kind zwangsläufig verdorben sein ;-)

    // tewe // 2006-06-03 13:55 //
  2. Ich freue mich immer, wenn ich mit meinem Blog jemanden zur Erleuchtung führen kann :-)

    Was die Lehrer angeht: Im Prinzip können die sicher auch ganz normale Kinder haben (z.B. wenn sie einen 20-jährigen auf dem Papier adoptieren, ohne allzuviel Kontakt zu haben). Nur halte ich Mme. Redler als Beleg für diese These für, nun ja, eher ungeeignet.

    // drchaos // 2006-06-03 17:11 //
  3. Hallo Dr. Chaos,

    bin über freiheitsforum.com auf deine Seite gestossen, wirklich sehr geile Einträge!

    LGL

    // Lukas // 2008-06-09 14:15 //

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