ärger-inkl.com
Keine Empfehlung dürfte wohl dieses Schreiben der Firma “Neue Medien Münnich”, besser bekannt als all-inkl.com, für potentielle Webhosting-Kunden sein:
Sehr geehrter Herr XXXXX,
Hiermit kündigen wir Ihren Account mit der Kundennummer XXXXX und der Domain www.euroislam.info fristlos mit sofortiger Wirkung. [...] Ausschlaggebend waren Beschwerden, welche bei uns eingegangen sind, und auch der Umstand, dass alleine durch die Abbildung der Mohammed-Karikaturen anderenorts Menschen sterben.
Der letzte Satz gibt zu denken: Karikaturen, die so fies sind, dass alleine durch ihre Abbildung Menschen sterben? Ich meine, ich kann ja selber auch nicht besonders gut zeichnen, aber überlebt haben das bislang immer alle.
Aber mal im Ernst: Zwar ist es selbstverständlich das gute Recht jedes Anbieters, auf seinem Server wen auch immer zu hosten oder nicht zu hosten. Aber es ist auch mein gutes Recht, mir anhand beliebiger Kriterien eine Meinung über die Zuverlässigkeit oder Nicht-Zuverlässigkeit eines (potentiellen) Geschäftspartners zu bilden. Und wer bestehende Verträge lediglich aufgrund irgendwelcher Beschwerden irgendwelcher Heinis einfach mal eben so fristlos kündigt und sofort darauf die Präsenz sperrt, kommt halt in der Wertung für Zuverlässigkeit nicht gerade gut weg.
Nun muss andererseits fairerweise gesagt werden, dass das Problem aus Sicht des Hosters rein betriebswirtschaftlich gesehen eine zweischneidige Sache ist: Bei den üblichen Margen in diesem Geschäft wird ein Kunde schnell zum Verlustgeschäft, dessen Präsenz -aus welchem Grund auch immer- zu einem erhöhten Supportaufwand führt (“Beschwerde”mails von üblichen Lamentierern und “isch-mach-disch-Messer”-Halbstarken könnte man zwar einfach kommentarlos löschen, aber es hat in ähnlichen Fällen durchaus auch schon DDOS usw. gegeben). An dieser Stelle würde nur eine gewisse Standfestigkeit bzw. Prinzipientreue helfen, aber derartige Tugenden sind halt heutzutage nicht mehr so modern wie früher. Trotzdem hätte es natürlich vernünftige Wege aus der Situation gegeben, z.B. indem man mit dem Kunden eine Frist zum Wechsel zu einem anderen Anbieter vereinbart.
Rein ökonomisch gesehen wird sich hier auf Dauer wohl eine Marktdiversifikation in Anbieter, die auch kritische Inhalte hosten (und sich dies ggf. extra vergüten lassen), und andere, die aus Effizienzgründen schon beim geringsten Anzeichen einer Beschwerde kündigen, einstellen. Aus libertärer Sicht wäre daher lediglich eine mangelnde Markttransparenz zu kritisieren, weil man in der Regel vorher nicht weiss, welcher Hoster welche Linie verfolgt. Aber zumindest all-inkl.com hat ja jetzt mal angefangen, diesbezüglich für Klarheit zu sorgen.



