Free As In VIP-Ticket

Normale Menschen müssen, so sie denn den Wunsch verspüren, die Fussball-WM live zu verfolgen, mit Kartenpreisen bis zu 100 Euro rechnen, die im Voraus zu bezahlen sind, ohne dass im Gegenzug garantiert wird, auch eine Karte zu bekommen (wer keine ergattern kann, bekommt das Geld immerhin irgendwann später zurück).

Klar, dass einem Politiker so eine nervige Prozedur keinesfalls zuzumuten ist. Und deswegen kriegen diese besonders gleichen Damen und Herren gleich mal vorneweg über 10.000(!) Freikarten für lau ‘rübergeschoben, die höchstwahrscheinlich auch nicht versteuert werden müssen, schliesslich gehen die ja nicht etwa zum Spass dahin, sondern nur um ihre “repräsentativen Pflichten” zu erfüllen. So wie z.B. der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, dessen Abwesenheit bestimmt von Millionen in- und ausländischen Fussballfans schmerzlichst bedauert werden würde. Oder die Fraktions- und Parteivorsitzenden aller im Bundestag schmarotzendenvertretenen Parteien, denen wohl kaum zugemutet werden kann, die aus der Bürde ihrer globalen Popularität(*) entstehende Repräsentationsnotwendigkeit aus dem eigenen, schmalen Salär zu finanzieren.

Ob die Übertragung der Politiker-VIP-Karten auf Neffen, Nichten und sonstige Günstlinge übrigens genauso kompliziert ist wie bei Privatleuten (“nur bei wirklich triftigen Gründen”), wird leider nicht berichtet. Dafür aber darüber, dass Politiker aller Parteien die Freikartenregelung voll in Ordnung finden, was wiederum beweist, wie gut uns die parlamentarische Selbstkontrolle vor Vorteilsnahme und Privilegienwirtschaft schützt.

(*) Kleines Ratespiel, kein Preis: Nenne aus dem Kopf die Namen wenigstens zweier Bundestags-Fraktionsvorsitzender. Siehst Du, so wichtig sind die.

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